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„Vertrauen ist der Anfang von Allem“

Finanzangelegenheiten waren seit jeher Vertrauenssache – und daran wird sich wohl auch künftig nichts ändern. Während die traditionellen Banken dieses über Jahrzehnte hinweg aufbauen konnten, haben die jungen Fintechs noch einen langen Weg vor sich. Und zu oft wurde es in der Vergangenheit enttäuscht.

Die Werbestrategen der Deutschen Bank betonten in verschiedenen Fernsehspots Mitte der 90er-Jahre, was Banking seit jeher ausgemacht hat: Vertrauen. Immerhin vertraut man dem Kreditinstitut mehr oder weniger viel Geld an, das man in den meisten Fällen vorher hart erarbeiten musste.

Klassische Banken wie die Deutsche Bank, die Sparkassen oder die Volksbanken haben dieses Vertrauen über die letzten 150 bis 200 Jahre aufgebaut und über die verschiedensten Kriege und Krisen hinweg immer wieder rechtfertigen können – auch wenn die letzte Finanzkrise diesem Image den einen oder anderen Kratzer verpasst hat. (Dass die genannten Werbespots ausgerechnet von der Deutschen Bank stammen, wirkt heute fast wie Satire.)

Am Ende des Tages aber, sind deutsche Bank- und Sparkassenkunden in den letzten 200 Jahren im Schnitt und im Allgemeinen ziemlich gut gefahren mit ihrem Vertrauen in die Kreditinstitute. Dieses Kundenvertrauen ist denn auch das wohl größte Pfund, mit dem die Platzhirsche wuchern können, wenn es um die aufstrebende Konkurrenz durch die Fintechs geht.

„Kann ich dem Fintech vertrauen?“

Denn die Fintech-Szene ist nun einmal geprägt von jungen Startups mit kurzer Unternehmenshistorie und oftmals dünner Risikofinanzierung. Hinzu kommt, dass viele Fintechs ihre Angebote vom Kundenproblem her denken und nicht von einer möglichen Monetarisierung her.

Was für den Kunden auf den ersten Blick eigentlich super ist, irritiert allerdings viele Kunden. Wenn plötzlich Bankdienstleistungen, die bisher alle ihren Preis hatten, quasi verschenkt werden, kommen vielen potentiellen Nutzern Denkfalten auf die Stirn. „Wenn ich nicht mit Geld bezahle, womit dann? Kann ich dem Fintech vertrauen?“.

Dass diese Bedenken nicht ganz unberechtigt sind, zeigen diverse Fälle aus der jüngeren Vergangenheit. Als umtriebiger Fintech-Interessierter durfte ich das schon einige Male am eigenen Leib erfahren. Mit Pleiten, Pech und Pannen – die aber zum Glück nur für Unverständnis und Ärger gesorgt haben.

Nicht jedes Fintech hat ein nachhaltiges Geschäftsmodell

Mein erster größerer Schreckmoment war die Pleite von Cashboard, einem der Pioniere unter den deutschen Robo Advisern. Deren Geschäftsmodell sah auf den ersten Blick sogar solide und gleichzeitig fair für den User aus. Allerdings war das Kundenwachstum seinerzeit offenbar zu gering, um aus den geringen Provisionserlösen die laufenden Kosten zu erwirtschaften. Als dann kein weiteres Investorengeld floss, war die Pleite da. Glücklicherweise ging diese Pleite für die Nutzer glimpflich aus, da das verwaltete Vermögen als Sondervermögen bei ebase gelagert war. Es blieb also beim Schreck und den Unbequemlichkeiten, sein Investment später zu liquidieren.

Auch die beiden Peer-2-Peer-Dienste Cookies und Cringle haben mich ihre Pleiten miterleben lassen. Zugegeben: genutzt habe ich sie nur aus Neugier und zu Testzwecken – einfach, weil ich keinen natürlichen Use Case dafür hatte. Das dürfte auch eines der wesentlichen Probleme für die jeweiligen Pleiten gewesen sein. Wobei es vordergründig auch hier jeweils finanzielle Probleme waren, weil nötige Investitionsrunden nicht abgeschlossen werden konnten. Bei Cookies lähmte ein Streit unter den Gründern die Verhandlungen so lange, bis die Runde abgeblasen werden musste und am Ende das Aus stand. Und für beide Dienste galt: die Monetarisierung ist nicht gelungen.

Die sollte im Payment-Bereich eigentlich deutlich einfacher sein. Dennoch wurde Ende 2018 mein liebster Mobile-Payment-Dienst Glase (ehem. SEQR) eingestellt. Mit der Android-App konnte man durch eine virtuelle MasterCard am POS mobil bezahlen – lange, bevor GooglePay in Deutschland an den Start ging. Gelockt wurden Nutzer mit dem Versprechen auf bis zu 3% Cashback. Dass sich das nicht auf Dauer nicht rechnen konnte, war klar. Verspätete und zum Schluss ganz ausgebliebene Cashback-Zahlungen hatten am Ende auch treue Nutzer entnervt. Mit dem Deutschland-Start von Apple Pay kam dann das Ende von Glase.

Ein Fintech dreht komplett am Rad

Während Unternehmenspleiten im Startup-Bereich nun absolut nichts Ungewöhnliches sind, hatte es ein deutsches Fintech geschafft, den Ruf einer ganzen Branche kurzzeitig mit Schmutz zu überschütten: Savedroid, die Spar-App mit dem kleinen Droiden. Die App an sich war gut gemacht und bei mir viel und regelmäßig im Einsatz. Auf dem Sparkonto lag am Ende ein niedriger vierstelliger Betrag.

Dann kam allerdings der ICO, mit dem die App zu einer Anlage-App für Kryptowährungen ausgebaut werden sollte. Immerhin wurde damit ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag eingenommen. Eigentlich ein Riesenerfolg für das junge Startup. Aber dann müssen den Gründern ein paar Synapsen durchgeknallt sein. In einem filmreifen ‚PR-Stunt‚ gaukelten die Gründer den entsetzen Investoren vor, sie seien mit dem Geld aus dem ICO durchgebrannt.

Auch wenn die Aktion schnell aufgedeckt wurde als Werbung für ein neues Standbein in der ICO-Beratung: der PR-Schaden war immens – für das Fintech selbst, aber zeitweise auch für die gesamte Branche. Viele etablierte Fintechs sahen sich genötigt, sich in einem offenen Brief von den Machenschaften zu distanzieren.

Aktive Fintechs unter Beobachtung

All diese Erlebnisse sorgen dafür, dass diejenigen Fintechs, die weiterhin am Markt aktiv sind, unter ständiger kritischer Beobachtung stehen. Als der britische Kreditkartenanbieter Curve kürzlich durch eine Migration seiner Payment-Engine wochenlang nicht in der Lage war, seinen Nutzern Zugriff auf gesammelte Rewards zu gewähren, wurden in den sozialen Medien schnell Parallelen zu Glase gezogen und über eine eventuell bevorstehende Insolvenz spekuliert.

Mittlerweile sind die technischen Probleme behoben und es konnten immerhin nachvollziehbare Gründe benannt werden. Dennoch zeigt dieses Beispiel, wie vorsichtig die (potentiellen) Nutzer den jungen Fintechs gegenüber sind. Das behindert die Startups spürbar in ihrem Wachstum.

So verwundert es denn auch nicht, dass selbst einer der Stars der hiesigen Szene, der Robo Advisor Scalable Capital, auch erst so richtig durchgestartet ist, als erst der Industriegigant Siemens und anschließend die Direktbank ING DiBa die Firma gefeatured haben. Solche Kooperationen, bei denen die jungen Wilden die Innovationen beisteuern und die etablierten Firmen das Kundenvertrauen, scheinen daher der bevorzugte Weg für Fintechs zu sein.

An GAFA kommt niemand vorbei

Das gilt umso mehr, wenn die US-amerikanischen Internetgiganten rund um Google, Apple & Co. noch weiter im Finanzsektor Fuß fassen. Denn sie sind die eigentliche Bedrohung – für Banken wie für Fintechs, sind sie doch innovativ und genießen gleichzeitig das Vertrauen ihrer Nutzer.

Für die Fintechs wird verdammt schwer (wenn nicht unmöglich), dagegen alleine zu bestehen. Allerdings sind sie in einer vergleichsweise komfortablen Situation: sie sind für Banken wie für die GAFAs gleichsam interessant: für die Banken als Kooperationspartner und für die GAFAs als potentielles Übernahmeziel. Insofern wird es spannend sein zu beobachten, wer in der zu erwartenden Konsolidierungswelle in der Fintech-Szene zu den Aufkäufern zählen wird.

Quo vadis?

Immerhin: einige wenige Fintechs könnten es auch ohne großen Partner (oder Aufkäufer) schaffen. Die Neo-Bank N26 z.B. hat trotz aller Pannen in der bisherigen Historie mittlerweile das Vertrauen vieler Kunden weltweit gewonnen. Allerdings bisher auch nur mit jeweils überschaubaren Kontoeinlagen.

In der Breite bleibt es aber dabei: Vertrauen wächst nicht über Nacht, sondern muss über einen langen Zeitraum hart erarbeitet und verdient werden. Sind wir mal gespannt, wer das am Ende nachhaltig schafft.

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