Tesla, PayPal, Mastercard – startet Bitcoin jetzt durch?

In den letzten Wochen lief es gut für den Urahn aller modernen Kryptowährungen. Finanzdienstleister wie PayPal und zuletzt MasterCard kündigten an, Zahlungen in Bitcoin zu ermöglichen. Jetzt hat auch noch der Elektroautobauer Tesla angekündigt, Bitcoin im Wert von 1,5 Mrd. US-Dollar erworben zu haben. Ist das jetzt der Durchbruch für Kryptowährungen im Alltag – oder doch eher eine Marketing-Strategie?

Tesla investiert in Bitcoin

Tesla-Gründer Elon Musk ist schon lange dafür bekannt, dass er gern ungewöhnliche Wege geht. Das hat er nicht zuletzt mit den Gründungen des Payment-Dienstes PayPal, des Elektro-Pioniers Tesla oder seiner Weltraumfirma Space X bewiesen. So gesehen ist die Ankündigung, dass Tesla für etwa 1,5 Mrd. US-Dollar in Bitcoin investieren wird, gar nicht so überraschend. Immerhin hat sich Musk in der Vergangenheit immer wieder positiv über den Urahn der Kryptowährungen geäußert.

Dennoch ist es ein durchaus ungewöhnlicher Schritt, dass ein großes Industrieunternehmen einen solchen Schritt geht – zumal in dieser Größenordnung. Damit ist der Autobauer definitiv ein Early Mover. Bisher akzeptieren wenige große Unternehmen Zahlungen in Bitcoin. Darunter solche, wie Wikipedia oder Unicef, die auf diese Weise Spenden entgegennehmen. Daneben ist wesentlich noch Microsoft mit seinem Online-Store zu nennen. Die Spieleplattform Steam hat Bitcoin dagegen wieder als Zahlungsoption gestrichen – weil die Kursschwankungen zu hoch waren.

Payment-Anbieter ermöglichen Bitcoin-Zahlungen

Zuletzt sind einige der größten und wichtigsten Zahlungsdienstleister auf Krypto-Kurs gegangen. Im Herbst 2020 hatte PayPal angekündigt, zunächst seinen US-Kund:innen Zahlungen mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Litecoin anzubieten. Damit können Kunden bei 26 Millionen Akzeptanzstellen mit Bitcoin und Co. bezahlen. Allerdings bekommen die Händler davon wenig mit, denn PayPal übernimmt die direkte Konvertierung und schreibt den Händlern US-Dollar gut.

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Mit dem Kreditkartenriesen Visa hatte sich diesen Monat ein weiterer Payment-Anbieter zum Bitcoin bekannt. Über eine API will Visa Banken ermöglichen, Bitcoin-Services in ihr Angebot einzubauen. Der Business Insider zitierte Visa-CEO Alfred Kelly, dass Kryptowährungen für ihn „digitales Gold“ seien. Sie würden nicht in signifikanter Anzahl als Zahlungsmittel verwendet, wie es der ursprünglichen Vision der Technologie entspräche.

Auch Mastercard will da natürlich nicht zurückstehen. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, will der Kreditkartenriese bereits in diesem Jahr sein Bezahlnetzwerk für Kryptowährungen öffnen. Dabei werden sie allerdings einen bemerkenswerten Sonderweg gehen und auf Stablecoins wie beispielsweise Tether setzen. Auf volatile Kryptowährungen wollen sie dagegen aus Gründen des Verbraucherschutzes verzichten.

Tesla wird Bitcoin kaum zum Druchbruch als Zahlungsmittel verhelfen

Und genau hier liegt auch der Grund, weshalb die vielen Nachrichten rund um Bitcoin mehr mit Marketing zu tun haben, als mit einem ersthaften Durchbruch des Krypto-Urahns im Payment. Bitcoin bringt einige entscheidende Schwächen mit, die sie als alltägliches Zahlungsmittel disqualifizieren.

Einige davon, wie beispielsweise die hohen Transaktionskosten, den hohen Energieaufwand und die geringe Verarbeitungskapazität des Netzwerkes, wird man sicherlich mit Weiterentwicklungen wie dem Lightning-Netzwerk beheben können. Das Hauptproblem aber bleiben die hohe Volatilität und die systeminhärente Deflations des Bitcoins.

Der Wert von Bitcoin im Verhältnis zu Euro oder US-Dollar schwankt ganz erheblich. Steilen Kursanstiegen binnen weniger Tage folgen oftmals eratische Kurzstürze. Selbst wenn man die Kurse 30 bzw. 60 Tage glättet, ergibt sich eine Volatilität von über 5%. Für Kund:innen erschwert das nur die Finanzplanung, für Händler in margenschwachen Branchen kann diese Volatilität über Gewinn oder Verlust entscheiden.

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Schwerer wiegt aber allerdings die latente Deflation, die im Design von Bitcoin angelegt ist und daher nicht geheilt werden kann. Da die maximale Anzahl an Bitcoins bei 21.000.000 gedeckelt ist, steigt der Kurs automatisch, je mehr Menschen die Kryptowährung zum Bezahlen nutzen wollen. Geld, das mit der Zeit immer mehr an Wert gewinnt, klingt auf den ersten Blick klasse. Nur: warum sollte ich dieses Geld dann zum Bezahlen nutzen?

Wer auch immer bei einer der ersten Zahlungen 10.000 Bitcoin für zwei Pizzen bezahlt hat, wird sich heute ärgern. Immerhin haben die nach heutigem Kurs einen Gegenwert von 408 Mio. Euro! Übertragen auf die Tesla-Meldung stellt sich somit die Frage: warum sollte ich mit heute ein Tesla Model M für einen Bitcoin kaufen, wenn ich in ein paar Monaten für denselben Preis vielleicht zwei Model M kaufen kann?

Der Bitcoin-Coup von Tesla hat dennoch eine Logik

Dennoch ist der Schritt von Tesla durchaus sinnvoll. Zum einen ist Elon Musk damit wieder einmal ein echter Marketing-Coup gelungen. Gerade in der Cypto-Szene mit seinen vielen jungen Glücksrittern dürfte das gut ankommen und Markenwert und Absatz von Tesla stärken. Dazu gesellt sich zudem eine betriebswirtschaftliche Komponente. Tesla diversifiziert mit dem Bitcoin-Investment seine Kapitalanlagen.

Über diverse Kapitalerhöhungen in der letzten Zeit sitzt der Autobauer auf einer gewissen Liquidität. Die kann aktuell wahlweise (bestenfalls) zinslos am Geldmarkt angelegt werden – oder eben spekulativ investiert. Da Elon Musk mit 46,8 Mio. Followern auf Twitter einer der größten Influencer weltweit ist, bewegt er mit seinen Aussagen Kurse, so dass das Risiko aus dem Bitcoin-Investment für Tesla überschaubar sein dürfte.

Es ist nicht bekannt, zu welchem Kurs Tesla in Bitcoin investiert hat. Allerdings ist der Kurs der Kryptowährung seit der News um 25% von 40.000 USD auf fast 50.000 USD gestiegen. Tesla dürfte also bereits einige hundert Millionen USD an Buchgewinnen erzielt haben. Insofern war es ein lohnendes Investment – und genau hier hat Bitcoin seinen Wert.

Bitcoin hat seinen Wert nicht im Payment, sondern im Investment

Ein gutes Zahlungsmittel ist idealerweise immer auch wertstabil. Es hat schon seinen guten Grund, weshalb die weltweiten Notenbanken auch in normalen Zeiten die verfügbare Geldmenge steuern und als wesentliches Ziel die Geldwertstabilität ausgeben. Das Inflationsziel knapp unterhalb von 2% soll genau das sicherstellen – nebst kleinem Puffer, damit es eben keine Deflation gibt.

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Da Bitcoin schon by Design deflationär ausgestaltet ist, fällt es als alltägliches Zahlungsmittel raus. Das macht aber nichts, denn es hat seine große Stärke als Wertaufbewahrungsmittel und als Spekulations- und Investmentobjekt. Da die Menge an Bitcoins fix und nicht vermehrbar ist, hat Bitcoin einen inhärenten Wert, der sich aus dieser Knappheit ergibt.

Das erklärt auch, weshalb immer mehr Investmentbanken in den Bitcoin-Handel einsteigen. Als eine Art „digitales Gold“ ist es zur Beimischung in ein diversifiziertes Depot interessant. Zumal die Gewinne aus dem Bitcoin-Handel derzeit in Deutschland derzeit nicht der Abgeltungssteuer unterliegen, sondern als privates Veräußerungsgeschäft gelten. Das gibt reichen Menschen eine Möglichkeit, steueroptimiert Gewinne zu erwirtschaften.

Banken und Broker unter Zugzwang

Damit sind Banken und Broker mehr und mehr unter Druck, eigene Angebote für Investments in Kryptowährungen für ihre Kund:innen zu ermöglichen. Bislang preschen wesentlich Fintechs an dieser Stelle vor. Die Smartphone-Bank Revolut lässt bereits seit Längerem auf einfache Art den Kauf von Verkauf der wichtigsten Kryptowährungen zu.

In Deutschland prescht aktuell der Onlinebroker Flatexdegiro vor und will seinen Kund:innen den Handel mit Bitcoin anbieten. Früher oder später dürften Krypto-Investments eine Commodity für Banken und Sparkassen werden, weil die Generationen Y und Z danach verlangen. Sie sind damit aktuell ebenso unter Zugzwang wie andere Onlinebroker, entsprechende Angebote zu entwickeln.

Die Payment-Zukunft gehört Stablecoins

Im alltäglichen Zahlungsverkehr dagegen wird Bitcoin keine große Zukunft haben. Das hilft auch kein Lightning-Protokoll. Dennoch wird der Krypto-Urahn ein Wegbereiter für den Durchbruch anderer Kryptowährungen sein. Für die Generation Z sind Kryptowährungen ein ganz normaler Teil ihrer Lebenswirklichkeit, den es gibt, seit sie sich für mehr als Playmobil, Spielzeugautos oder Puppen interessieren.

Die Frage wird sein, welche Kryptowährung(en) sind in Zukunft durchsetzen werden. Werden es staatliche Währungen wie der „digitale Euro“ und seine Pendants aus den USA und China sein. Oder setzen sich am Ende multinationale Konzerne durch, die wie Facebook’s Libra Diem eine digitale Weltwährung erschaffen? So oder so werden es Coins sein, deren Wert über ein aktives Währungsmanagement so stabil wie möglich gehalten werden.

Die Zukunft des Payments ist jedenfalls digital.

Fazit: Die aktuellen Ankündigungen verschiedener Unternehmen zur Nutzung von Bitcoin als Zahlungsmittel dürften eher Marketing sein. Als alltägliches Zahlungsmittel taugt Bitcoin jedenfalls nicht. Er wird aber ein Wegbereiter sein für künftige Digitalwährungen, die allerdings ähnlich wertstabil sein müssen, wir Euro oder US-Dollar, um Akzeptanz zu finden.

Take-away für Banken und Sparkassen: Kryptowährungen erfahren immer mehr Aufmerksamkeit. Auch wenn Bitcoin kein geeignetes Zahlungsmittel ist, als spekulative Depotbeimischung ist er dennoch hoch interessant – nicht nur für Generation Z. Zeit, endlich entsprechende Beratungsangebote aufzusetzen, sichere Wallets in die eigenen Apps einzubauen und mit Krypto-Börsen zu kooperieren.

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