Werbeplakat von Trade Republic

Trade Republic – Discount-Broker im Test

Wenn es in der Fintech-Branche um die Disruption der Geldanlage mit Aktien geht, denken viele direkt an Robo Advisory. Sie versprechen die „Demokratisierung der Geldanlage“, weil sie professionelle Vermögensverwaltung für die breite Masse verfügbar machen. Einen anderen Weg des Trade Republic: das Fintech fordert die Online-Broker heraus. Wir haben es getestet.

In Zeiten, in denen die Zinsen stetig fallen und teilweise gänzlich verschwunden sind, scheint zumindest für die langfristige Geldanlage kein Weg am Kapitalmarkt vorbeiführen. Doch im Gegensatz zu Ländern wie den USA oder UK ist die Aktienkultur hierzulande nur gering ausgeprägt. Seit der Finanzkrise in Folge der Lehman-Pleite sind die Vorbehalte gegenüber den traditionellen Banken in Teilen der Bevölkerung eher noch gestiegen.

Robo Advisor versagt als Heilsbringer

Robo Advisory scheint hier die richtige Antwort zur richtigen Zeit zu sein. Fintech-Enthusiasten versprechen sich davon nicht weniger als die „Demokratisierung der Geldanlage“. Immerhin machen sie eine professionelle Vermögensverwaltung erstmals für breite Bevölkerungsschichten verfügbar. Durch günstige ETFs anstelle teurer aktiv verwalteter Aktienfonds und ein hoch skalierbarer Algorithmus statt vieler hoch bezahlter Anlageexperten, sollten gute Ergebnisse bei geringen Kosten und geringen Einstiegshürden möglich werden.

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Doch die Anfangseuphorie ist längst einer gewissen Ernüchterung gewichen. Die Robos wachsen nur noch langsam – auch, weil sie inhaltlich enttäuschen. Vielfach besteht das Konzept im wesentlichen daraus, den Anleger bei der Depoteröffnung automatisiert zu kategorisieren und ihn anschließend einem von mehreren vorgefertigten Portfolios zuzuordnen. Der Unterschied zu einem schnöden Dachfonds, wie ihn jede Sparkasse oder Volksbank vertreibt, ist überschaubar.

Trade Republic als Herausforderer der Online-Broker

Einen anderen Weg als die Robo Adviser gehen die neuen Discount-Broker – im Prinzip die Fintech-Antwort auf etablierte Online-Broker wie comdirect oder Consors. Vorbild ist das US-Fintech Robin Hood, das die dortigen Investment-Banken mit dem Versprechen komplett gebührenfreier Wertpapierkäufe frontal angreift.

Das Berliner Fintech Trade Republic** bringt diese Idee nach Deutschland. Es verspricht den Nutzern ebenfalls, Wertpapiere ohne Ordergebühren zu kaufen bzw. zu verkaufen. Wobei das so nicht ganz richtig ist: einen Euro pro Order für Fremdkosten berechnet das Start-Up dann doch, die Ausführung von ETF-Sparplänen ist allerdings tatsächlich komplett gebührenfrei. Auch laufende Depotgebühren werden nicht berechnet.

Damit wird Trade Republic dem Anspruch, die Geldanlage zu demokratisieren viel mehr gerecht, als die Robo Adviser. Während die Robos lediglich einen Zugang zu ETF-Sparplänen bieten (und dafür ordentlich bei der Depotverwaltung zuschlagen), können sich die Nutzer bei Trade Republic bereits mit kleinen Beträgen direkt an einzelnen Unternehmen beteiligen, ohne gleich von den Gebühren aufgefressen zu werden.

Niedrige Kosten ermöglichen Teilhabe

Natürlich eignet sich diese direkte Form der Geldanlage nicht für jeden Kundentyp. Die Risiken, durch eine falsche Auswahl an Aktien herbe Verluste einzufahren, ist groß. Für informierte Anleger allerdings, ist Trade Republic durchaus interessant. Die niedrigen Kosten ermöglichen es, auch bei kleinem Kapitaleinsatz gute Renditen zu erzielen, ohne dabei von den Gebühren aufgefressen zu werden.

Die Tabelle zeigt den Anlageerfolg eines fiktiven Aktienkaufs im Vergleich zwischen Trade Republic, dem Online Broker comdirect und der Deutschen Bank.

Einfache Bedienung durch beschränkte Funktionen

Ein weiterer großer Pluspunkt von Trade Republic ist die einfache Bedienbarkeit. Über die Suchfunktion die entsprechende Aktien suchen, auf den Kaufen-Button tippen, Anzahl eingeben, „Markt-/Limit- oder Stop-Preis“ auswählen und auf „kostenpflichtig kaufen“ tippen. Schnell noch per Fingerprint freigeben und fertig ist die Order. Auch Verkäufe gehen ähnlich flott von der Hand.

Erkauft wird diese Übersichtlichkeit durch die Fokussierung auf die wesentlichsten Funktionen. Es gibt lediglich drei möglicher Orderarten wobei die Order zum Marktpreis voreingestellt ist . Zudem muss bzw. kann kein Ausführungsplatz gewählt werden: alle Orders laufen über den Broker Lang & Schwarz. Auch bei den Limit-Orders gibt es wenig Auswahl, lediglich „tagesgültig“ und „gültig für ein Jahr“ stehen bereit.

Profi-Trader werden vermutlich über diese spartanischen Möglichkeiten nur den Kopf schütteln, doch das dürfte auch kaum die Kernzielgruppe von Trade Republic sein. Für den durchschnittlichen Kleinanleger dürften die Funktionen dagegen völlig ausreichend sein. In meinem Echtgeldtest habe ich jedenfalls nichts vermisst.

Wie sich Trade Republic finanziert

Nur einen Euro fix pro Order, kostenlose ETF-Sparpläne? Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Stellt sich also die Frage danach, wie Trade Republic Geld verdient. Eines ist sicher: es ist kein Altruismus, der das Fintech treibt, sondern reine Betriebswirtschaft.

Die Basis des Geschäftsmodells liegt sicherlich zunächst in der geringen Kostenbasis. Durch Verzicht auf unnötige Funktionen, fehlende Beratungsangebote und moderne Computersysteme ist die Kostenseite gut unter Kontrolle. Nur bringen niedrige Kosten wenig, solange es keine Erträge gibt.

Der eine Euro Fremdkostenpauschale stellt nur einen Teil der Erträge dar. Das Geheimnis von Trade Republic (und ähnlichen Anbietern) liegt darin, dass sie sich an wenige ausgesuchte Partner gebunden haben, von denen das Fintech entsprechende Kick-Backs erhält. Sämtliche Orders laufen bei Trade Republic ausschließlich über Lang & Schwarz. Der Broker handelt alle Wertpapiere mit einem Spread zwischen An- und Verkaufskurs und verdient daran sein Geld. Trade Republic erhält von Lang & Schwarz eine Kompensation für das vermittelte Ordervolumen.

Was Trade Republic seinen Kunden bietet (Quelle: Trade Republic)

Trade Republic kooperiert zudem mit dem US-Fondsriesen Blackrock und vertreibt exklusiv dessen iShares-ETFs. Auch dafür fließen Trade Republic Kick-Backs zu. Das Fintech wird also letztlich im Wesentlichen von seinen beiden Partnern finanziert, um den Kunden scheinbar kostenlose Orders zu ermöglichen.

Die Kunden bezahlen die superniedrigen Ordergebühren also einerseits mit einem eingeschränkten Produktangebot im ETF-Bereich und mit dem Spread bei An- und Verkauf. Der Spread ist zwar während der regulären Börsenzeiten sehr gering, aber trotzdem ein (verdeckter) Kostenfaktor, den es zu berücksichtigen gilt. Die ETFs von Blackrock sind zudem marktführend, insofern ist das kaum ein Nachteil.

Wo Trade Republic noch schwächelt

In Summe bietet Trade Republic seinen Kunden also einen guten und fairen Service. Ein paar kleinere Schönheitsfehler leistet sich das Start-Up dennoch. Da wären aktuell einerseits teils massive Verzögerungen bei der Depoteröffnung, weil Trade Republic offenbar dem derzeitigen Kundenansturm nicht gewachsen ist. Auch die Performance der App lässt zeitweise zu wünschen übrig.

Zudem ist die Auswahl nicht nur bei ETFs eingeschränkt – bei den Aktien findet der Nutzer nur diejenigen, die auch von Lang & Schwarz gehandelt werden. Die bekannten Namen findet man dort problemlos, bei speziellen Small Caps kann es allerdings gut sein, dass man sie vergeblich sucht.

Was ich zudem vermisse, sind aktuelle News zu den einzelnen Aktien. Wenn sich ein Wert meines Depots massiv in die eine oder andere Richtung entwickelt, finde ich in der App keine Informationen dazu, warum das so ist. Bleibt also nur der schnelle Besuch auf Onvista oder anderen Börsenportalen. Hier könnte Trade Republic noch nachlegen, allerdings würden dafür vermutlich Lizenzgebühren fällig, welche die Kostenkalkulation belasten und den Preis für die Kunden treiben würde.

Mein Fazit

Im Test hat sich Trade Republic wirklich gut geschlagen. Orders über die App gehen so schnell und leicht von der Hand, dass das Traden richtig Spaß macht. Dank der niedrigen Gebühren kann man auch mal spontan eine Tesla-Aktie kaufen und ein paar Tage später mit wenigen Prozent Kursplus abstoßen, ohne dass die Kosten die Performance auffressen.

Sicherlich ist die Kundenzielgruppe überschaubar, denn Profi-Trader werden sicherlich eher bei Anbietern wie Onvista oder dem S-Broker** landen. Die breite Masse der Finanz-Laien dagegen wird wahlweise zu seiner lokalen Bank oder Sparkasse oder bei einem Robo-Advisor wie Scalable Capital oder investify gehen.

Trade Republic ist dennoch ein Player, den die anderen Anbieter ernst nehmen sollten. In Punkto Usability setzt das Fintech meines Erachtens Maßstäbe. Daran sollten sich Banken und Sparkassen ebenso ein Beispiel nehmen, wie Online Broker und Robo Adviser.


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