Der Fintech-Frühjahrsputz

Als Fintech-Blogger teste ich viele Angebote live mit Echtgeld, um mir ein wirkliches Urteil bilden zu können. Einige Angebote geraten dabei nach anfänglicher Euphorie schnell in Vergessenheit, andere quittieren zwischenzeitlich mangels Erfolg (oder Anschlussfinanzierung) den Dienst. Zeit für einen Frühjahrsputz!

Es macht schon einigen Spaß, immer wieder neue Finanz-Apps auszuprobieren. Die meisten Fintechs schaffen es jedenfalls mit innovativen Ideen oder einfach guter User Experience, den Entdecker in mir zu wecken. Der Spaß hat allerdings auch eine Kehrseite: negativen Einfluss auf meinen SCHUFA-Score und eine Menge nur kurz genutzter Apps auf meinem Smartphone.

Viele Smartphone-Konten kommen und gehen…

Zig verschiedene Fintech-Apps habe ich in den letzten Jahren installiert und getestet, darunter eine ganze Reihe Neo-Banks mit ihren Smartphone-Girokonten. Angefangen hatte es mit N26 (damals noch „Number26„), dem schnell die Fidor Bank, das Sparkassen-Angebot YOMO (‚YOur MOney‘) und die britische Revolut folgen. N26 und Revolut bleiben auch weiterhin interessant zu verfolgen.

YOMO allerdings musste nun leider seinen Platz auf meinem Smartphone räumen. Lange hatte ich viel Geduld und Hoffnung auf den Durchbruch. Leider hatte es die Sparkassen-Gruppe nicht geschafft, das Produkt entschlossen zu einem relevanten Player auszubauen. Ein Protokoll des Scheiterns hat Blogger-Kollege Heinz-Roger Dohms hier nachgezeichnet.

Auch andere Anbieter von mobilen Girokonten sind mittlerweile wieder von meinem Smartphone verschwunden. Monese vermochte mit in der Beta-Phase nie wirklich zu überzeugen. Die niederländische bunq war zwar ähnlich bunt wie YOMO, lieferte aber keine kostenlose Debit-Karte mit.

Tomorrow ist das neueste Smartphone-Konto in meiner Sammlung (Quelle: Screenshot Tomorrow-Homepage)

Zuletzt konnte sich mit tomorrow allerdings noch ein Lokalmatador aus Hamburg in mein Herz (und auf mein Smartphone) spielen. Das grüne Start-Up kombiniert zeitgemäße Technologie wie N26 mit dem Nachhaltigkeitsgedanken von GLS- oder Ethik-Bank. Die ‚Neo-Bank‘ greift den Geist von Fridays for Future auf und spendet für jeden Euro Kartenumsatz Geld für den Erhalt des Regenwaldes. So kann man sein schlechtes Konsumgewissen zumindest ein Stück weit grün-waschen. Die Idee gefällt mir so gut, dass Tomorrow seit einiger Zeit fester Bestandteil meiner Finanzen geworden ist.

… nur wenige bleiben langfristig

Damit gehören die Hamburger zu den wenigen Fintechs, die gekommen sind, um auf meinem Smartphone zu bleiben. Wie zum Beispiel die Kreditkarte von Curve, die mir seit mehreren Jahren das Handling verschiedener Konten erleichtert.

Für meine Blogger-Tätigkeit nutze ich zudem seit Langem das Geschäftskonto von Kontist. Das ist nicht nur kostenlos, sondern bietet auch noch interessante Zusatzfunktionen wie die Kategorisierung von Umsätzen nach verschiedenen USt-Sätzen und berechnet die eigene Steuerlast. Smarte Funktionen, die Solo-Freelancern die Arbeit deutlich erleichtern.

Festgesetzt hat sich auch der Robo Advisor investify. Die App ist mittlerweile ziemlich übersichtlich und informativ, die Performance in den unabhängigen Tests von Brokervergleich.de immer in der Spitzengruppe und die Konditionen fair gestaltet.

So wirbt Trade Republic auf seiner Homepage (Quelle: Screenshot traderepublic.com)

Meine neueste Lieblings-App ist allerdings der deutsche Discout-Broker Trade Republic**. Hier kann ich Aktien, ETFs und aufgewählte Derivate für nur einen Euro Transaktionsgebühren handeln! ETF-Sparpläne werden sogar komplett gebührenfrei gehandelt. Kleiner Schönheitsfehler: die Wertpapiere werden nicht frei an der Börse gehandelt, sondern über den Broker Lang & Schwarz, der mit einem Spread zwischen An- und Verkaufskurs arbeitet. Der ist allerdings überschaubar und die geringen Gebühren ermöglichen es, auch mit überschaubarem Vermögen profitabel mit Aktien zu handeln.

Die Branche konsolidiert sich und wird erwachsen

In den letzten 12 Monaten hat sich die Fintech-Branche spürbar verändert. Startups mit unausgereiften Geschäftsmodellen wurden aus dem Markt gedrängt oder übernommen. Die Marktführer ihrer jeweiligen Segmente dagegen konnten Rekord-Finanzierungsrunden vermelden. Die Branche wird spürbar erwachsen. Das nimmt ihr zwar einen Teil ihres wilden Charmes, dafür entstehen hier ernstzunehmende Wettbewerber zu den traditionellen Banken.

Mit den genannten Fintechs kann man seine Fiannzen bereits heute gut ohne Banken managen. Und wir dürfen davon ausgehen, dass die Fintechs noch besser werden. Es ist also höchste Eisenbahn für Banken und Sparkassen, endlich adäquat darauf zu reagieren und selbst innovative und mehrwertige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.


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