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PSD2: Diese 5 strategischen Optionen bieten sich für Banken

Sponsored Post – Pflicht oder Kür? Diese Frage stellen sich Banken bei der Umsetzung der PSD2. Die Möglichkeiten des Open Banking bieten für alle, aber gerade auch für regionale Banken viele Chancen. Das zeigt das Beispiel einer Regional-Bank in der Schweiz. Ein Gastbeitrag von Oliver Dlugosch. 

Die PSD2 ist nun ein Jahr in Kraft und die nächste Deadline steht schon vor der Tür: Ab 14. März 2019 müssen Banken und Zahlungsdienste Drittanbietern eine Testumgebung (Sandbox) und die dazugehörige technische Dokumentation der Schnittstelle zur Verfügung stellen. Die Umsetzung dieser Vorgaben ist in vollem Gange und Banken streben dabei nach der perfekten Lösung: Die Realisierung soll möglichst geringen internen Aufwand verursachen und trotzdem alle Möglichkeiten für zukünftige Digitalisierungsvorhaben offenlassen – denn Optionen wird es viele geben.

Die Mutter aller Fragen: In welchem Umfang setzt man die PSD2 um?

Die PSD2 bietet eine große Chance für Banken und Fintechs und sie wird das Banking von Grund auf revolutionieren. Die Öffnung der Kernbankensysteme auf Basis der regulatorischen Vorgaben bildet die Grundlage, ein Netzwerk mit den digitalen Innovatoren zu schaffen. Vor diesem Hintergrund steht jede Bank vor strategisch wichtigen Fragestellungen:

  • Sollen nur die gesetzlichen PSD2-Vorgaben umgesetzt werden?
  • Sollen mit Open Banking Elemente wie zum Beispiel offene Schnittstellen zu Daten- und Analyse-Services angeboten werden?
  • Will man sich sogar als Banking-as-a-Service-Anbieter positionieren? Ein Geschäftsmodell das viele „Neo Banks“ verfolgen? Bei diesem Ansatz werden Banken zum zentralen Anbieter für bestimme Banken-Produkte oder Services für Drittunternehmen.

Um diese Fragen zu beantworten lohnt sich ein Blick darauf, was möglich ist im Rahmen der PSD2. Im PSD2-Setup für Banken sind verschiedene Ausbaustufen denkbar, je nachdem wie stark Banken die Vernetzung mit Fintechs und anderen Finanzdienstleistern zulassen möchten. Klar ist: Je stärker der Grad der Vernetzung, desto höher der Endkundennutzen. Fünf mögliche Szenarien werden im Folgenden dargestellt, das technische Rückgrat sind dabei moderne, für Banking und PSD2 spezialisierte API-Plattformen:

1. Die Pflicht: PSD2-kompatibler XS2A

Die reine Pflichterfüllung: Die finalen Regulatory Technical Standards (RTS) zur starken Kundenauthentifizierung schreiben die Bereitstellung der Testumgebung und die technische Dokumentation der Schnittstelle bis 14. März 2019 vor. Ab 14. September 2019 ist dann der Produktivbetrieb zu realisieren. Es ist also ausreichend, wenn Banken bis 14. März die PSD2 XS2A-API im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben vorlegen. Diese Mindestanforderung ist die so genannte „compliance only“-Lösung und kann beispielsweise durch „PSD2-ready“ von NDGIT innerhalb kurzer Zeit realisiert werden.

2. Die nächste Ebene: Multibanking

Die erste Erweiterung der reinen Pflichterfüllung ist die zweite Ebene der Vernetzung und bedeutet die Bereitstellung von Schnittstellen, die Multibanking erlauben: Bankkunden wird die bankübergreifende Kontoaggregation ermöglicht und sie kommen in den Genuss von kontobasierten Mehrwertdienste (zum Beispiel Finanzinformationen einsehen und Zahlungen auslösen).

3. Ein Schritt weiter: Anreicherung

Eine Ausbaustufe weiter in der zweiten Ebene ist die Erweiterung der PSD2-API für Partner wie beispielsweise Fintechs, um hochwertige Services auf Basis von Konto-Analysen und andere Funktionen zu ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise Sofort-Kredite, die online abgeschlossen werden können und umgehend ausbezahlt werden.

4. Open Banking for open minds

Die dritte Ebene ist das Open Banking, die Vernetzung von Banken und ihren digitalen Partnern. Voraussetzung dafür ist die Öffnung der Backendsysteme, um über offene Schnittstellen („Open APIs“) Daten- und Analyse-Services anzubieten. Banken fungieren dann wie „Banking-as-a-Service“-Anbieter, die Open APIs für Dienste rund um Kunden- oder Firmendaten, KYC-Prozesse, Depots, Kredite und vieles weitere bereitstellen. Denkbar ist eine Ausprägung bis hin zum „Whitelabel-Banking“, bei dem Partner über APIs alle digitalen Prozesse eines Finanzproduktes nutzen können. Open Banking-Plattformen ermöglichen es somit, schon heute die PSD2 zu lösen und gleichzeitig die Grundlage für ein Netzwerk mit digitalen Innovatoren zu schaffen.

5. Das finale Ziel: Ein eigenes Ökosystem

Die finale Ebene ist das Ökosystem, dies ermöglicht Finanzinstituten, eigene „Application Stores“ zu etablieren, um den Kunden ein individuelles Netzwerk aus Fintech-Funktionen und Partner-Produkten anzubieten. Die Grundlage für das Ökosystem ist eine für den Einsatz in Banken optimierte API-Plattform. Mit dieser ist eine effiziente Integration in bestehende Banksysteme erreichbar und liefert eine SSO-Verbindung zu jedem ausgewählten Fintech.

Eine Schweizer Bank als Vorbild

Je nachdem, wie nun die strategische Entscheidung von Banken ausfällt, wie sie die PSD2 umsetzen möchten, bietet sich eine Fülle von Möglichkeiten für alle. Die Marktteilnehmer selbst sind es, die die Initiative ergreifen müssen. Gerade Deutschlands Banken sollten sich die Chance nicht entgehen lassen, sich im Spitzenfeld eines Wachstumsmarktes zu platzieren. Der Aufbau eines Ökosystems klingt in den Ohren mancher Kreditinstitute hierzulande vielleicht noch nach Zukunftsmusik, doch es gibt bereits Beispiele aus der Praxis.

Die Aargauer Hypothekarbank Lenzburg AG (HBL) z.B. hat auf Basis der API-Plattform von NDGIT das erste umfassende Open Banking-Framework der Schweiz implementiert. Damit können Fintechs und andere Partner über standardisierte APIs ihre Daten rund um die Bankprodukte der HBL abrufen und kundenbezogene Prozesse in der Bank auslösen. Dieses Beispiel zeigt, wie alle Banken, aber speziell auch regionale Banken vom Open Banking profitieren werden: Ohne ihr Kerngeschäft zu vernachlässigen, können diese Banken durch Kooperationen mit digitalen Partnern weit über ihre lokale Kundschaft hinauswachsen.

Über den Autor:

Oliver Dlugosch ist CEO und Gründer des Startups NDGIT in München, das mit seiner Banking-Plattform die Vernetzung von Banken, Digitalen Ökosystemen und Fintechs ermöglicht. Zuvor war er über 10 Jahren in der Geschäftsführung der Unternehmen Crealogix, Fincon und Raysono tätig mit den Schwerpunkten Bankentechnologie und Digital Banking.
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