Meinung – Sparkassen liegen mit YOMO richtig

Alles YOMO, oder was? Die Sparkassen schienen – noch mehr als die restlichen deutschen Banken – dem munteren Treiben der vielen innovativen Fintechs tatenlos zuzuschauen und damit die junge Zielgruppe vollends zu verlieren. Nun sollen sich nach Berichten der SZ einige große unter ihnen zusammengeschlossen haben, um mit einer neuen Marke namens ‘YOMO’ Herausforderern wie Number26 zu begegnen. Und das ist auch gut so!

Banken standen lange am Spielfeldrand

Was wurden sie (zurecht!) kritisiert, die deutschen Banken und Sparkassen, dafür, dass sie dem munteren Treiben der vielen Fintechs, die überall in der Republik wie Pilze aus dem Boden schossen – und auch noch weiter schießen – so scheinbar tatenlos zusahen. Aber vielleicht war das ja auch nur eine optische Täuschung?

Vor zwei Wochen machten die Großbanken den Auftakt: Deutsche Bank und Commerzbank verkündeten große Digitalisierungsoffensiven – neue, innovative Produkte und Kooperationen mit Fintechs inklusive (zu lesen im Fintech Newsflash Nr. 16). Und nun scheinen auch die scheinbar so angestaubten Sparkassen aufgewacht zu sein. Auf dem Sparkassentag 2016 wurden schon die ersten wichtigen Zeichen gesetzt: die Sparkassen starteten nun endlich auch mit dem Payment-Dienst Paydirekt und verkündeten zudem für den Herbst die Erweiterung ihrer Sparkassen-App um eine Funktion für P2P-Zahlungen. (zu lesen im Fintech Newsflash Nr. 17).

Am Sonntag nun brachte die Süddeutsche Zeitung ein weiteres, für die Sparkassen wegweisendes Projekt an Tageslicht: eine Gruppe von 8 großen Sparkassen soll unter dem Markennamen ‘YOMO’ eine Antwort auf Angreifer wie Number26 planen (zu lesen in Breaking News). Noch sind diese Berichte nicht von den im SZ-Artikel genannten Sparkassen bestätigt – aber wenn sie stimmen, kann man den Sparkasse nur zu diesem Schritt gratulieren.

Kannibalisiere dich selbst, bevor es ein anderer tut

Natürlich wäre ein solches Produkt nicht ohne Risiken, denn schließlich stehen die deutschen Sparkassen in erster Linie immer noch für ein breites, gut ausgebautes Filialnetz mit persönlicher Beratung vor Ort. Und dieses Filialnetz kostet eine Menge Geld, das irgendwie verdient werden muss – Geld, das in Zeiten von Negativzinsen und steigenden regulatorischen Anforderungen nicht mehr auf Bäumen wächst. Auch deshalb hatte Sparkassenpräsident Dr. Georg Fahrenschon unlängst das Ende des kostenlosen Girokontos ausgerufen.

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Wenn YOMO aber tatsächlich – wie im SZ-Artikel verlautbart – eine Antwort auf Number26 sein soll, dann stehen diese beiden Pfeiler zur Disposition. Denn deren ‘App-Girokonto’ richtet sich klar an eine Generation, deren Leben sich fast komplett im Smartphone abspielt und die auf Bankfilialen keine Lust hat. Und an eine Generation, die mit der Gratiskultur des Internets groß geworden ist. Snapchat, Google oder PayPal – alles wichtige Dienste im Leben eines Millenials – und allesamt gratis zu haben.

Sollte das Projekt also tatsächlich kommen und ein Erfolg werden, würden sich die Sparkassen selbst kannibalisieren – und das ist gut so! Denn die jungen Kunden werden sich solchen und ähnlichen Angeboten so oder so zuwenden, wenn sie denn attraktiv gemacht sind – egal, ob die Sparkassen dabei mitmachen oder nicht. Es läge also in ihrem ureigensten Interesse, die Wünsche und Bedürfnisse der jungen Generation zu bedienen, um mittel- bis langfristig auch für diese potentiellen Kunden attraktiv zu sein. Kannibalisiere dich selbst, bevor es ein anderer tut!

YOMO als Katalysator für Grundsatzdebatte?

Nun ist die Sparkasse-Gruppe mit ihren 409 Mitgliedssparkassen nicht unbedingt dafür bekannt, schnell in der Umsetzung neuer Ideen zu sein – zu unterschiedlich sind die Interessen und Herausforderungen kleiner Landsparkassen einerseits und großer Metropolsparkassen andererseits. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, weshalb dem SZ-Artikel zufolge eine Gruppe von nur acht Sparkassen hinter YOMO steht. Eine so kleine Gruppe kann einfach wendiger agieren. Nur was wird dann aus der heiligen Kuh der Sparkassen: dem Regionalprinzip?

Ein im Internet vertriebenes Gemeinschaftsprodukt wird sich kaum interessierten Kunden aus den Geschäftsgebieten einer der 401 nicht beteiligten Sparkassen verschießen können (und wollen). Hier dürfte es noch einige heftige Streitereien innerhalb der Sparkassen-Gruppe geben. Und auch das ist gut so, denn die Digitalisierung kommt und wird sich weiter verstärken – die Sparkassen werden also um diese Grundsatzdebatte nicht herum kommen. Wenn YOMO diese Debatte als Katalysator beschleunigt, kann das nur gut sein.

Die Ausführung von YOMO wird entscheidend sein

Bei aller Aufregung, die dieses Projekt medial und gruppenintern bringt, ist zu hoffen, dass sich die Sparkassen auf die Ausführung von YOMO konzentrieren. Bisher gibt es bis auf den SZ-Artikel – und die nackte YOMO-Homepage –  keinerlei Informationen zur geplanten App. Dabei wird die konkrete Ausführung der App das entscheidende Kriterium für Erfolg oder Misserfolg sein. Es ist ja nicht so, dass die Sparkassen bisher keine Apps bieten würden – im Gegenteil: die Sparkassen-App ist ein großer Erfolg im AppStore und GooglePlaystore. Nur spricht deren Design die jungen Kunden eben nicht an.

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Nun wurde diese Sparkassen-App von der StarFinanz aus Hamburg entwickelt – ausgerechnet also von dem Softwarehaus aus der Sparkassen-Gruppe, das laut Impressum der YOMO-Homepage auch hinter der neuen App steht. Und so bleibt zu hoffen, dass die StarFinanz designtechnisch bisher nur nicht so durfte, wie sie gekonnt hätte, denn ansonsten wäre die gute Idee zu Scheitern verurteilt. Mit GiroPay und GiroGo haben die Sparkassen ja schon ein paar Blaupausen, wie man eine gute Idee verbrennen kann. Immerhin: das Design der Homepage – bisher einziger Anhaltspunkt für das Design – sieht schon mal erfrischend anders aus.

YOMO als Ritterschlag für Number26

Dass man mit YOMO nur eine erfolgreiche Idee aus dem Markt kopieren und damit nur auf Wettbewerber reagieren würde, wie vereinzelt in der Szene kritisiert wird, ist meiner Meinung nach übrigens keine Schande. Denn eine Reaktion ist besser als gar keine Reaktion – zumal wenn es eine Reaktion auf offensichtlich veränderte Kundenbedürfnisse ist. Number26 hat hierfür den Beweis erbracht und wird dafür zurecht kopiert. Die Berliner dürften YOMO denn auch als Ritterschlag verstehen – und sich mit Blick auf die eigenen Wachstumsaussichten gleichsam darüber ärgern, dass die Sparkassen offenbar so schnell reagieren.

Für die Sparkassen erscheint YOMO allerdings eine große Chance zu sein – und die Kunden dürften sich über ein (hoffentlich!) attraktives und innovatives Angebot ihrer Sparkassen freuen. Bleibt abzuwarten, wie YOMO denn nun wirklich wird – weiteren Infos fiebere ich entgegen.

Was haltet Ihr von YOMO? Postet Eure Meinung als Kommentar unter diesen Artikel.

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