Datenschutz – in Banks we trust

Banken haben es in letzter Zeit wahrlich nicht einfach. Neben Regulatorik und Niedrigzins müssen sie sich mit dem Megatrend der Digitalisierung auseinandersetzen. Hier werden sie durch Fintechs und die großen Internetplattformen in die Zange genommen. So stark die Herausforderer auch in Sachen Technologie und Innovation sind, einen großen Trumpf haben sie noch in der Hinterhand: beim Thema Datenschutz genießen sie das Vertrauen ihrer Kunden. Darauf müssen sie aufbauen.

Daten sind das neue Öl

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder die Devise ausgegeben, dass Daten das neue Öl seien. In der Plattform-Ökonomie sind Daten tatsächlich der zentrale Faktor. Wer persönliche Kundendaten mit Metadaten wie Bewegungs- oder Umsatzdaten verknüpft, kann umfangreiche und detaillierte Profile seiner Kunden erstellen. Die können wahlweise dazu genutzt werden, individualisierte Werbung auszuspielen oder aber seine Dienste stetig zu verbessern. So oder so sind die Daten damit baren Geld wert.

Doch anders als in den Anfangsjahren der Internets werden sich die Kunden langsam aber sicher des Wertes ihrer Daten bewusst. Insbesondere hier in Deutschland sind viele Kunden mittlerweile teilweise sehr kritisch was den Datenschutz angeht. Dienste wie Google und Facebook sind nicht von ungefähr als gierige Datenkraken verschrien. Wenn Daten einerseits so wertvoll geworden, Kunden aber andererseits kritischer geworden sind, ergeben sich hier Chancen für Institutionen, denen man vertraut.

Und wenn man sich meine letzte Umfrage auf Twitter anschaut, könnten gerade die gebeutelten Banken hier die Gewinner sein:

Datenschutz als Wettbewerbsfaktor

Ganz offensichtlich vertraut eine klare Mehrheit der Menschen ihren Banken in Sachen Datenschutz in besonderer Weise. Das kann natürlich auch daran liegen, dass man ihnen gar nicht erst zutraut, mit den vorhandenen Daten etwas Sinnvolles anzustellen ;-). Der Hauptgrund dürfte aber ganz einfach sein: meiner Bank vertraue ich bereits mein hart verdientes Geld an. Und vielleicht sogar andere Werte im Bankschließfach.

Da liegt es nahe, dass ich auch meine wertvollen Daten bei meiner Bank in guten Händen vermute. Zumal es nach wie vor das besondere Bankgeheimnis gibt – auch wenn es mittlerweile durch die Behörden ein Stück weit aushöhlt wurde. Dieses Kundenvertrauen in Sachen Datenschutz könnte sich für die Banken als ein wichtiger Wettbewerbsfaktor erweisen – wenn sie sich und ihre Rolle in Zukunft neu erfinden.

Banken als Hüter meiner Daten

Es drängt sich geradezu auf, dass die Banken den Datenschutz zu einem Geschäftsmodell ausbauen. Die möglichen Anwendungsfälle sind vielfältig. Der einfachste Angang wäre ein sicherer Datenspeicher, in dem Kunden sensible Dokumente ablegen können, ohne sich um die Sicherheit seiner Daten Gedanken machen zu müssen. Aber nicht nur mit dem Wegsperren von Daten könnten Banken ihren Kunden einen wertvollen Dienst anbieten.

Ein weiterer Weg könnte es sein, persönliche Daten des Kunden in dessen Auftrag zu verwalten und nach seinen Vorgaben heraus zu geben. Das könnte zum Beispiel im Zusammenhang mit digitalen Identitätsdiensten der Fall sein, wie es mit Verimi oder YES bereits angedacht ist. Eine Stufe weiter gedacht, könnten Banken auch als eine Art Datenbroker agieren und nach Vorgaben des Kunden versuchen, dessen Daten in seinem Auftrag zu monetarisieren. Ein Gedanke, der auf den ersten Blick seltsam erscheint.

Aber: derzeit machen Google, Facebook und Co. die Kundendaten ohnehin schon zu Geld – ohne, dass der Kunde direkt daran partizipieren würde. Wenn die Banken ihren Kunden jetzt die Möglichkeit bieten würden, selbst an seinen Daten verdienen zu können, wäre das zumindest ein spannendes Gedankenspiel.

Banken müssen sich neu erfinden

Man kann sich eine ganze Menge Angebote vorstellen, die auf Kundendaten basieren. Für die Banken bedeutet das allerdings, dass sie sich komplett neu erfinden müssten. Denn bisher sind Daten in den Kreditinstituten eher ein Abfallprodukt, dass anfällt, während sie ihren Kunden Finanzprodukte und -dienstleistungen anbieten. Auf welchem Datenschatz sie da in Wahrheit sitzen und wie man den monetarisieren kann, während man gleichzeitig das hohe Kundenvertrauen rechtfertigt, wissen sie bisher nicht.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie bald aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen, solange sie zumindest auf diesem Feld noch einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber Fintechs und den GAFAs haben.

Wie seht Ihr das? Können sich Banken mit dem Thema Datenschutz ein neues Standbein aufbauen? Schreibt mir Eure Meinung als Kommentar.

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3 Comments

    • Lieber Jochen, natürlich ist Vertrauen ein zartes Pflänzchen und man sollte es nicht als gottgegeben hinnehmen. Allerdings ist dieses Ranking eines, mit dem eine Art “globales Vertrauen” in das Unternehmen in Gänze einfließt. Und da haben die “Banken im Allgemeinen” natürlich unter der Finanzkrise gelitten. Da geht es dann um Werte wie Ehrlichkeit, soziale Verantwortung etc.. Sicherlich alles wichtige Werte, um die sich ein Unternehmen sorgen sollte.

      Gleichzeitig vertrauen die Menschen ihrer Bank aber ihr Geld an. Weil sie ein starkes Vertrauen darin haben, dass die Banken ihr Geld sicher verwahren. Ähnlich sieht es in Sachen Datenschutz aus. Weil das Thema IT-Sicherheit nun einmal zur Kernkompetenz der Banken gehört, weil gehören muss.

      Dieser Aspekt ist in dem von Dir zitierten Ranking nur einer unter vielen. Und ein hohes Vertrauen in die Datensicherheit reißt es in so einem großen Ranking eben nicht raus, wenn die Kunden an anderer Stelle wenig Vertrauen haben. Aber es ist ein Punkt, auf dem man aufbauen kann. Quasi eine Konzentration auf die Kernkompetenz.

      • Ach? Vertrauen die Endkunden und Händler Paypal bzw der vollregulierten PayPal-Bank etwa nicht ihr Geld an? 🙂

        Auch das Thema Datenschutz ist nur “angeblich” wichtig. Wäre es der Bevölkerung aber WIRKLICH wichtig, nutze niemand WhatsApp, Android und eMail, sondern StudiVZ, Joyn, Threema und DE-Mail. Alles Produkte die mit hohen Datenschutz und Vertrauen geworben haben, aber alle keine Rolle spielen. Kunden geben stattdessen persönlichste Daten preis.

        Ich bin ja bei Dir: Banken genießen ein hohes Vertrauen beim Kunden. Ich denke aber, daß man sich auf sehr dünnem Eis bewegt wenn man (blindes) Vertrauen darauf hat, daß dieses Vertrauen nicht von anderen eingeholt werden kann oder z.T. schon wurde. Nicht mehr, nicht weniger 😉

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