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Bargeld lacht? Warum Kartenzahlung ein Muss ist.

Der Durchschnitts-Deutsche liebt sein Bargeld. Handel und Gastronomie stellen sich zwar immer mehr auch auf Kartenzahlung ein, doch so manches Geschäft verweigert sich weiterhin hartnäckig. Insbesondere die Bäcker-Zunft blockt Anfragen gern noch mit dem Hinweis auf hohe Transaktionskosten ab. Ein teurer Fehler.

Die jährliche Zahlungsstatistik des Handelsforschungsinstituts EHI zeichnet regelmäßig ein Psychogramm der Deutschen Payment-Vorlieben. Im letzten Jahr sank der Anteil der Barzahlungen (bezogen auf den Umsatz) erstmals unter die Grenze von 50%. Kartenzahlungen sind also definitiv auf dem Vormarsch. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass dieser hohe Anteil an den Umsätzen insbesondere daran liegt, dass Kredit- und Girokarten vorwiegend für größere Kaufbeträge genutzt werden.

Laut EHI-Studie liegt der durchschnittliche Bon bei Barzahlungen bei gerade einmal knapp 15 Euro. Bei der Kartenzahlung liegen diese Beträge bei mehr als 40 Euro (Girocard) bzw. sogar mehr als 50 Euro (Kreditkarten). Entsprechend liegt der Anteil der Barzahlungen bezogen auf die Anzahl der Transaktionen auch weiterhin bei über 75%.

Kartenzahlung ist im Einzelhandel angekommen

Immerhin, auch das zeigen die Zahlen: die Kartenzahlung ist auf dem Vormarsch im deutschen Einzelhandel. Die Girocard ist dank ihrer Vorgeschichte als „Eurocheque-Karte“ schon langjährig etabliert, wird aus dieser Geschichte heraus allerdings auch eher für höhere Beträge genutzt. Erst seit die großen Discounter ALDI und LIDL im Jahre 2009 erstmals auf Kartenzahlung setzen, sanken die durchschnittlichen Bons.

ALDI und Co. waren es auch, die vor wenigen Jahren der Kreditkarte im Einzelhandel zum Durchbruch in der Breite verholfen haben. Nachdem die EU mit der MIF-Regulierung die Bankgebühren für die Kartenzahlung massiv gedrückt hatte, begann ihre Aufholjagd. Mittlerweile ist auch sie zumindest in allen großen Handelsketten breit akzeptiert.

Neben der MIF-Regulierung dürfte dabei auch eine Rolle spielen, dass in Deutschland immer mehr Kreditkarten herausgegeben werden. In den letzten 10 Jahren hat sich ihre Zahl um weit mehr als 50% erhöht. Und der Handel hat in der Regel ein feines Gespür für die Vorlieben seiner Kunden.

Manche Händler verweigern sich der Kartenzahlung…

Was für die großen Ketten gilt, ist allerdings noch nicht überall angekommen. Noch immer gibt es eine ganze Reihe (meist kleinerer) Händler, die ernsthaft meinen, Kartenzahlung nicht anbieten zu müssen. Gute Argumente fehlen hier allerdings. Meist wird auf vermeintlich hohe Kosten verwiesen – ein Schein-Argument, das allerdings seit der EU-Regulierung obsolet ist.

Sicherlich gibt es nach wie vor Anbieter, die Händler mit hohen Fixkosten verschrecken. Aber gerade für kleine Händler, für die diese Verträge tatsächlich zu teuer wären, gibt es mit SumUp oder Stripe günstige Alternativen ohne Fixkosten.

Sogar ganze Branchen verweigern sich (noch) hartnäckig. Neben Imbisbuden und Marktständen sind hier allen voran die Bäcker zu nennen. Zwar gibt es mittlerweile einige positive Ausnahmen, doch zumeist ist die Bäckereitheke weiterhin das gallische Dorf der Bargeldfraktion. Die Gründe dürften hier wie da hauptsächlich steuertechnischer Natur sein: wo keine Datenspur die Geldströme dokumentiert, lassen sich die Einnahmen … steueroptimiert ausweisen.

… und schaden sich damit selbst

Auch dieses Argument dürfte ab kommendem Jahr bei den Bäckern wegfallen, immerhin will sie der Gesetzgeber dazu zwingen, jedem Kunden einen Kassenzettel in die Hand zu drücken. Spätestens dann dürfte sich die Verweigerungshaltung gegen die Kartenzahlung auch hier lockern.

Immerhin schaden sich die Verweigerer oftmals selbst. Denn je mehr sich die Kartenzahlung in der Bevölkerung durchsetzt, desto öfter haben die Kunden gar kein Bargeld mehr zur Hand. Wer dann auf ‚Cash-Only‘ beharrt, verliert damit eine ganze Menge Umsatz von verhinderten Impulskäufern. Die würden zwar gern spontan etwas mitnehmen, müssen aber mangels Bargeld und Kartenakzeptanz den Kauf ausfallen lassen.

Mir selbst geht es immer öfter so. Ich bezahle wo immer möglich mit Karte, gern auch via Smartphone. Bisher gehe ich nur noch ein Mal im Monat an den Geldautomaten – weil sich der einzige Bäcker im Ort der Kartenzahlung verweigert. Stehe ich dann an der Supermarktkasse (wo ich mit Karte zahle), schaue ich aus der Schlange direkt in die Auslage des Bäckers. Oftmals würde ich gern schwach werden und spontan ein Stück Kuchen oder Brötchen zum Abendbrot mitnehmen. Und kann doch nicht, weil ich mein ‚Bäcker-Portemonnaie‘ nicht dabei habe.

Der Wettbewerb wird es regeln

Bisher bedeutete das „nur“ den Ausfall von Spontankäufen. Nun hat vor Kurzem ein zweiter Bäcker im Ort eröffnet und akzeptiert wie selbstverständlich Kartenzahlung ab dem ersten Cent (siehe Foto). Bislang bin ich meinem Stammbäcker noch treu – die Gefahr aber wächst, dass er mich früher oder später als Kunden verliert, sollte er selbst nicht nachziehen mit der Kartenakzeptanz.

Dann spart er sich zwar die Kartengebühren, verliert aber allein an mir ca. 60 Euro Umsatz pro Monat. Auf Dauer kann sich das für ihn nicht rechnen. So bleibt also die Hoffnung auf die heilenden Kräfte des Wettbewerbs.

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