Was Ihr bei Invests auf auxmoney & Co. bedenken solltet

Crowdlending liegt derzeit voll im Trend. Spätestens seit es bei den Banken (so gut wie) keine Zinsen mehr gibt, wenden sich immer mehr Anleger Plattformen wie auxmoney & Co. zu. Geldanlagen dort versprechen hohe Zinsen von bis zu 14%. Bevor Ihr Euch davon locken lasst, solltet Ihr aber ein paar Dinge bedenken.

1. Crowdlending ersetzt nicht das Sparbuch

Auch wenn es in der Werbung immer so einfach klingt: sein Geld auf einer Crowdlending-Plattform anzulegen unterscheidet sich fundamental davon, Geld auf einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto anzulegen. Diese beiden Bankprodukte mögen langweilig und niedrig verzinst sein, aber sie sind auch verdammt sicher. Wenn ich heute 1.000 Euro auf ein Sparbuch bei meiner Sparkasse oder Volksbank lege, dann kann ich die 1.000 Euro später jederzeit wieder abheben. Und ein paar Zinsen gibt es obendrein dazu.

Die Bank, der ich das Geld anvertraue, arbeitet mit dem Geld, übernimmt aber sämtliche Ausfallrisiken die daraus entstehen. Und selbst, wenn die Bank selbst einmal in Schieflage geraten sollte, wird mein Guthaben durch verschiedene Sicherungssysteme geschützt. Das ist sogar gesetzlich so vorgeschrieben.

Crowdlending dagegen hat ja den Anspruch, eben diese Banken zu umgehen und deren Marge zwischen Anleger und Kreditnehmer aufzuteilen. Damit entfällt aber auch der Risikopuffer. Wenn ich Max Mustermann per Crowdlending 1.000 Euro leihe, muss ich darauf hoffen, dass er es mir vollständig wieder zurück zahlt. Macht er es nicht, habe ich einfach Pech gehabt. Klar, die Plattform nimmt mir das Mahnwesen und das Inkasso ab. Trotzdem habe ich bei jeder einzelnen Kreditvergabe ein realistisches Totalverlustrisiko.

Crowdlending ist also eine Hochrisikoanlage. Das ist völlig in Ordnung, man muss sich dessen nur bewusst sein. Daher sollte man in Crowdlending nur Geld investieren, das man nicht dringend benötigt. Und das Investment möglichst breit streuen: lieber 100 x 25 Euro vergeben, als 1 x 2.500 Euro. Schließlich sollte das Crowdlending-Engagement nur ein kleiner Baustein in einem breit gestreuten Portfolio sein.

2. Wisst, dass Ihr fast nichts wisst – über den Kreditnehmer

So sehr man heutzutage über Banken schimpft und spottet, eines können sie wirklich gut: Informationen über ihre Kreditnehmer sammeln und zielführend auswerten. Bevor eine Bank einem Kunden einen Kredit gibt, holt sie sich eine Vielzahl an Informationen über ihn ein. Das sind in der Regel Gehaltsbescheinigungen, Arbeitsverträge, Einnahmen- Ausgabenrechnung und Einblick in die Kontobewegungen der letzten Zeit. Hinzu kommt in aller Regel noch eine SCHUFA-Abfrage und – falls man den Kredit nicht bei seiner Hausbank abschließt – auch noch eine Bankauskunft.

Die Bank weiß also sehr viel über den potentiellen Kreditnehmer und kann dadurch das Ausfallrisiko gut einschätzen. Wenn Ihr auf einer Crowdlending-Plattform Geld investiert, ist das anders. Schnell stellt Ihr fest, dass Ihr eigentlich fast gar nichts über die Kreditnehmer wisst. Wenn Ihr Glück habt, stehen da ein paar Einnahmen und grob einige Ausgaben. Und irgendwie ergibt sich eigentlich immer ein dickes Plus. Da fragt man sich dann, warum diese Menschen trotzdem Kredit brauchen. Weil die Angaben meistens völlig unplausibel sind.

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Wo diese Menschen arbeiten, ob sie fest angestellt sind oder befristet. Ob in einer Behörde verbeamtet oder bei einem Unternehmen, das kurz vor der Pleite steht. All das wisst Ihr nicht. Letztlich könnt Ihr immer nur hoffen, dass wenigstens der Beschreibungstext einige versteckte Hinweise gibt. Letztlich aber wisst Ihr eigentlich nichts und müsst euch daher völlig auf ein Bauchgefühl und die Scoreklasse der Plattform verlassen. Ein Grund mehr dafür, seine Investments so breit zu streuen wie nur möglich.

3. Crowdlending ist die „Resterampe“ für Kreditnehmer

Vielen mag die Idee sympathisch erscheinen, den Banken ein Schnippchen zu schlagen und Kredite ohne sie zu regeln. Allerdings darf man eines nicht vergessen: Banken haben enorme Erfahrung mit dem Risikomanagement und wollen ihre Einlagen gewinnbringend anlegen. Deshalb bekommt jedenfalls in Deutschland so ziemlich jeder einen Bankkredit, der auch wirklich kreditwürdig ist. Und das in der Regel auch zu vernünftigen Konditionen.

So stellt sich also die Frage, wer denn dann Kredite auf einer Plattform wie auxmoney aufnimmt. Denn um die bonitätsstarken Kunden prügeln sich die Banken regelrecht, was für niedrige Zinsen sorgt. Wer dann trotzdem eine Crowdlending-Plattform zur Kreditaufnahme nutzt, tut das in der Regel gegen jede wirtschaftliche Vernunft. Und wer Konditionen von über 10% für einen Ratenkredit akzeptiert, dürfte das nur tun, weil er bei den Banken abgeblitzt ist. Und die werden – siehe oben – ihre Gründe dafür haben. Schließlich haben sie einen sehr genauen Einblick in die wirtschaftliche und persönliche Situation des Kunden.

Letztlich sind die Kreditkunden von auxmoney & Co. also entweder bonitätsschwach oder wirtschaftlich unvernünftig. Beides nicht unbedingt Merkmale, die einen guten Kreditnehmer ausmachen. Und so sind die meisten Crowdlending-Plattformen eher die Resterampen des Kreditgewerbes. Auch das ist nicht schlimm, Ihr müsst euch dessen nur bewusst sein. Lasst euch also nicht nur von den hohen Zinsen blenden, sondern rechnet eine ganz ordentliche Ausfallquote in eure Kalkulation mit ein.

4. auxmoney & Co. haben andere Interessen als Ihr

Auch eine weitere Sache solltet Ihr bedenken: Eure Interessen sind nicht deckungsgleich mit denen der Crowdlending-Plattformen. Schauen wir uns einmal an, was Eure Interessen sind. Ihr legt Geld auf der Plattform an und wollt es über die Laufzeit des Kredites mit Zinsen wieder zurück haben. Am Ende wollt Ihr mehr Geld haben als vorher und die Zinsen der guten Kredite sollen das Ausfallrisiko der schlechten überkompensieren.

Was konnte ich in meinem bisher halben Jahr im Echtgeldtest feststellen? Dass viele der besseren Kreditnehmer ihre Darlehen vorzeitig sondertilgen. Das klingt im ersten Moment ja toll: ich habe Geld mit Risiko investiert und bekomme es vorzeitig zurück. Also ist ein Risiko gut ausgegangen. Aber halt: gerade das Geld der guten Kreditnehmer sollte doch so lange wie möglich gegen gute Zinsen angelegt bleiben. Das wollt Ihr also gar nicht früher als geplant zurück haben.

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Und hier liegt der Interessenkonflikt: denn  auxmoney Geld verdient sein Geld an der erfolgreichen Vermittlung von Kreditverträgen. Die bekommen mit Vertragsabschluss eine Provision von 1% der Kreditsumme – und zwar von Euch! Wenn das Darlehen vorzeitig zurück gezahlt wird, bekommt Ihr das nicht zurück, auch nicht zeitanteilig. auxmoney aber freut sich, wenn ein Kreditnehmer sein Darlehen schon nach wenigen Monaten durch ein neues Darlehen ablöst, weil dann erneut 1% Provision fällig wird.

Wer sich die Kreditanfragen genauer anschaut, stellt fest, dass ein großer Anteil sogenannte „Aufstockungskredite“ sind. Das sind Kredite, mit denen alte Kredite meist nach wenigen Monaten durch einen neuen Kredit abgelöst werden. Vielleicht auch einer, in den Ihr investiert hattet. Die Plattform freut sich und Ihr macht eine lange Nase.

Denn 1% Provison zahlen um 4 Jahre lang 10% Zinsen bekommen klingt fair. Aber 1% Provison zahlen und nur 3 Monate lang zeitanteilig 10% bekommen, klingt deutlich schlechter. Wenn Ihr den zurückgezahlten Betrag wieder anlegt, zahlt Ihr ja nochmals die Provision. Macht Ihr das alle drei Monate, sind aus 1% Provision in Summe plötzlich 4% geworden – zu Lasten Eurer Rendite.

Auch damit kann man leben, wenn am Ende die Gesamtrendite stimmt. Aber auch dessen müsst Ihr Euch bewusst sein, um eine wohl durchdachte Anlageentscheidung treffen zu können.

5. Crowdlending ist steuerlich benachteiligt*

[Diesen Punkt habe ich am 27.12.2016 auf Hinweis von Christoph Iwaniez ergänzt. Danke!]

Aber auch der Gesetzgeber hat nicht wirklich ein Herz für das Crowdlending. Denn die steuerlichen Rahmenbedingungen für Privatanleger tragen dem besonderen Anlagemodell nicht hinreichend Rechnung. Das fängt bereits damit an, dass es sich bei den Investments weder um Bankeinlagen noch um Wertpapiere handelt. Und damit kann der Anleger seine Zinseinkünfte nicht einfach per Freistellungsauftrag gegenüber dem Finanzamt „abrechnen“, sondern muss sie mit Zinsbescheinigung im Rahmen der Einkommensteuererklärung deklarieren. Das bedeutet schon mal mehr Aufwand.

Viel ärgerlicher allerdings ist ein anderer Aspekt. Im Rahmen des Crowdlendings ist es üblich, dass ein gewisser Anteil der Investments ausfällt. In einem breit diversifizierten Crowdlending-Portfolio werden die hohen Zinsen der ordnungsgemäß bedienten Investments diese Ausfälle normalerweise überkompensieren. Aber selbst wenn der Anleger so eigentlich mit einem blauen Auge davon kommt, kann ihm hier das Finanzamt einen Strich durch die Rechnung machen.

Denn die Kapitalverluste werden vom Fiskus steuerlich nicht anerkannt. Die erhaltenen Zinsen dagegen sind grds. voll zu versteuern. Beispiel: Ihr bekommt 100 Euro an Zinsen, habt aber gleichzeitig 100 Euro an Ausfällen. Unter dem Strich seid Ihr also mit +/- Null aus der Sache heraus gekommen. Trotzdem müsst Ihr (Sparerpauschbetrag mal außen vor gelassen) Steuern zahlen, denn da Ihr die Kapitalverluste nicht geltend machen könnt, habt Ihr in den Augen des Finanzamtes 100 Euro Gewinn gemacht. Unter dem Strich geht Ihr also – Fiskus sei Dank – mit einem Verlust aus dem Investment heraus.

* Ich bin kein Steuerberater und dieser Hinweis stellt ausdrücklich keine Steuerberatung dar. Ich stelle hier nur meinen aktuellen Kenntnisstand dar. Im Zweifel fragt Euren Steuerberater oder Euer Wohnsitzfinanzamt.

Crowdlending hat trotzdem seinen Charme

Die fünf genannten Punkte sollen Euch aber nicht davon abhalten, in Crowdlending-Projekt zu investieren. Es ist nur wichtig, dass Ihr sie bei Euren Entscheidungen bewusst berücksichtigt. Ich habe hier auch wesentlich auf auxmoney abgestellt, weil sie a) der relevante Player auf dem deutschen Markt sind und b) die meisten Fallstricke bereithalten.

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So gilt das mit der vorzeitigen Rückzahlung z.B. wesentlich für Plattformen, die auf Privatkunden fokussiert sind. Denn der Gesetzgeber räumt nur Verbrauchern diese kostenlosen Sondertilungsmöglichkeiten ein – für Firmenkunden-Plattformen besteht zumindest dieser Fallstrick nicht. Und Plattformen wie GIROMATCH wiederum richten sich an bonitätsstarke Kreditnehmer und bieten den Banken bei den Konditionen die Stirn. Hier gilt dann z.B. das mit der „Resterampe“ nicht oder nur zu einem geringen Anteil.

Crowdlending hat also trotzdem seinen Charme, wenn Ihr folgende Tipps beherzigt:

  1. Crowdlending ist eine riskante Anlage – steckt also nur einen Teil Eures Ersparten in Kreditforderungen.
  2. Verteilt das Risiko auf der Plattform auf möglichst viele Kreditnehmer. Lieber 100 x 25 Euro investieren als 1 x 2.500 Euro.
  3. Sucht die Kreditnehmer bewusst aus und sichtet wenigstens die spärlichen Informationen, die geboten werden. Reagiert dabei nicht auf herzzerreißende Bettel-Stories oder nette Bilder.
  4. Seid nicht gierig. Hohe Risiko-Klassen bringen nur wenig mehr Zinsen, aber deutlich mehr Risiko.

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Digitaler Banker | Blogger | Fintech – Experte. Ihr erreicht mich per Mail: tobias(at)aboutfintech.de oder auf Twitter: @aboutfintech

4 Comments

  1. Was ich immer noch nicht verstehe ist:
    Ich kann entweder Leuten, die ich nicht kenne und die nach Gründen des allgemeinen Verstandes nicht kreditwürdig sind mein Geld leihen, oder ich kann etwas wie
    A0TU30 (Tier1 der Deutschen Bank) zu Pari kaufen.
    Die deutsche Bank veröffentlicht quartalsweise Ihre Geschäftsberichte . Sofern die Bank gewillt ist zu zahlen, gibt es 8 % Zinsen. Und sie war es bisher auch bei (bilanziellen) Rekordverlusten.
    Ich habe so langsam das Gefühl, die „Fintechs“ versuchen das Rad neu zu erfinden. Mit durchschnittlichem Erfolg, ansonsten wäre die Plattform bereits für ein paar Milliarden von einer Bank aufgekauft.

    • Das grundsätzliche Prinzip der Crowdlending-Plattformen ist ja für sich genommen erstmal nicht verkehrt. Letztlich ist es – wie bei vielen anderen Plattformtechniken auch – die Idee des „cut out the middleman“. In diesem Fall die Bank. Was auf der einen Seite die Möglichkeit bietet, die Marge der Bank zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer aufzuteilen, auf der anderen Seite aber auch das Ausfallrisiko von der Bank auf den Anleger verlagert.

      Das Risiko ist hier sicherlich hoch, aber wenn man über ausreichend viele Kreditnehmer streut, kann das funktionieren. Kann, muss aber nicht. Das Problem insbesondere bei auxmoney ist hier sicherlich die „adverse Selektion“, die ich im Artikel ja auch angesprochen habe. Für gute Kunden ist auxmoney zu teuer und die schlechten Kunden werden von Banken nicht genommen und die landen bei auxmoney.

      Allerdings freue ich mich natürlich über den Vergleich mit Nachranganleihen der Deutschen Bank. Die mag zwar regelmäßig Geschäftsberichte veröffentlichen, aber: wirklich weiterhelfen tun die nicht gerade. Mit all den offenen Rechtsrisiken würde ich aktuell vieles tun, aber sicherlich nicht in die Deutsche Bank investieren. Wenn die Rekordstrafe aus den USA wirklich so kommt, geht es nicht mehr nur um Buchverluste, sondern um echtes Cash. Dann lieber mein Geld auf 100 Kreditnehmer bei auxmoney und Co verteilen.

      Aber eines ist klar: sowohl Investments bei auxmoney als auch Nachranganleihen der Deutschen Bank sind Hochrisiko-Anlagen. Beides taugt nur als Beimischung im Portfolio, als interessante Rendite-Chance – mit entsprechendem Risiko.

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