Meine Meinung – Mobile Payment – Wo geht die Reise hin?

Mobile Payment ist die Zukunft des Payments – das jedenfalls erzählt man sich. Und weil das so ist, haben sich diverse Anbieter vom Mobilfunkanbieter über Smartphone-Hersteller bis hin zu Fintechs aufgemacht, dieses vielversprechende Feld zu beackern. An verschiedenen Lösungsansätzen mangelt es dabei definitiv nicht, denn jeder Anbieter versucht hier, sein eigenes Süppchen zu kochen und dem Endkunden schmackhaft zu machen.

Mit Yapital hat vor Kurzem ein ehemals erfolgversprechendes Unternehmen das Handtuch geworfen und den Ring verlassen – und es ist davon auszugehen, dass dieses erst der Auftakt zu einer großen und umfassenden Konsolidierungswelle gewesen sein dürfte.

Diese Annahme ist schon allein deshalb nicht abwegig, weil es eine dieser Branchen ist, in denen Größe und Skalierbarkeit des Geschäftsmodells entscheidende Erfolgsfaktoren sind. Es mag zwar nicht ganz so schlimm sein, wie beim Highlander („Es kann nur einen geben.“), aber weder Kunden noch Händler dürften am Ende Lust haben, drei, vier oder gar noch mehr verschiedene Apps für ein und dieselbe Aufgabe zu nutzen. Am Ende wird dieser Markt also Platz für vielleicht zwei oder drei große Anbieter lassen.
Was uns zur Frage führt, wer denn am Ende dieses Ausleseprozesses noch am Markt sein wird.

Jede Medaille hat zwei Seiten

Wie die jüngere Vergangenheit gezeigt hat, ist es für den Erfolg unerlässlich, beide Seiten des Marktes zu beackern: die Endkunden einerseits und die Händler andererseits. Was passiert, wenn man sich zu sehr auf eine der beiden Seiten konzentriert, musste sich Yapital vor Kurzem schmerzlich eingestehen. Die Tochter der Hamburger Otto-Konzerns hatte erfolgreich auf der  Händlerseite Kunden akquiriert, es aber nicht geschafft, auf der anderen Seite eine wirklich nennenswerte Zahl an Endkunden für sein Angebot zu begeistern. Und wenn am Ende mangels Endkunden nicht ausreichend Zahlungsvorgänge abgewickelt werden (und damit Umsatz generiert wird), dann geht der ganze schöne Business Case nicht auf. Yapital hat das eingesehen und die Reißleine gezogen.

Und wer sich den Markt mit offenen Augen anschaut, der wird sich vermutlich fragen, wie andere Fintechs wie z.B. Kesh diesem Schicksal entgehen wollen. Denn zwei wichtige Aspekte lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass es die Fintechs sein werden, die sich im Mobile Payment am Ende durchsetzen werden.

Kunden erwarten Mehrwert

Eine entscheidende Frage, auf die bisher kaum ein Anbieter eine überzeugende Antwort liefern konnte, ist die nach dem Mehrwert für den Kunden. Warum zum Teufel soll ich an der Supermarktkasse eigentlich mit dem Smartphone bezahlen, wenn doch in meiner Geldbörse mehrere Bank- und Kreditkarten stecken, mit denen ich ebenfalls in Sekundenschnelle an jeder Kasse in Deutschland bezahlen kann? Von wenigen Hardcore-Digital-Natives einmal abgesehen, dürfte den meisten Menschen hier bisher keine vernünftige Antwort einfallen.

Und selbst wer als Digital Native (oder als neugieriger/aufgeschlossener Älterer) schon einmal den Praxistest gemacht hat, der wird den Erfahrungsbericht von Jochen E. Fuchs (auf t3n.de) bestätigen können. Am Ende verlässt man schnellen Schrittes und mit rotem Kopf den Laden und schwört sich, beim nächsten Mal wieder bar oder mit Karte zu zahlen.

Sämtliche innovativen Mobile Payment-Verfahren kranken derzeit daran, dass sie das Bezahlen an der Supermarktkasse eben nicht einfacher machen, sondern im Gegenteil eher komplizierter. Statt Mehrwert also eher Minderwert.

Produkt oder Funktion

Was wesentlich daran liegt, dass Anbieter wie Kesh oder Yapital ihre Angebote als eigenes Produkt/Dienstleistung promoten, während es die Endkunden als solches gar nicht wahrnehmen. Endkunden kaufen Brot, Bier oder Eier (also materielle Produkte) bzw. Kinokarten, die Reinigung oder die Autowäsche (sichtbare Dienstleistung) – der Bezahlvorgang ist ein notwendiges Übel, eine reine Funktion, die eher im Autopiloten nebenbei erfolgt.

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Am Ende werden sich daher die Anbieter am Markt durchsetzen, die ebenso einfach und nebenbei den Zahlungsvorgang abwickeln, ohne sich bewusst dem Endkunden aufzudrängen. Die Nutzung muss ebenso einfach sein, wie das Zücken der guten alten Girocard, die mit GiroGo per NFC ja nochmals deutlich bequemer geworden ist. Der Zahlungsanbieter muss die Payment-Funktion daher nahtlos einbinden.

Ausblick

Es spricht damit vieles dafür, dass am Ende mit ApplePay und AndroidPay zwei spät gestartete Anbieter das Feld von hinten aufrollen und das Rennen gewinnen werden. Neben diesen beiden Platzhirschen wird allenfalls noch Platz für einen weiteren Anbieter sein. Um diesen freien Platz dürften wesentlich Samsung als wichtigster Smartphonehersteller und – als Geheimfavorit – Alipay kämpfen. Letztgenannter ist hier in Deutschland zwar der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt. In Asien allerdings ist er schon eine große Nummer und in Deutschland konnte Alipay mit der Wirecard Bank einen sehr umtriebigen und innovativen Partner gewinnen, der aktuell bereits als Backend-Partner für die erfolgreiche App Number26 dient.

Für alle weiteren Anbieter dürfte am Ende nur ein Platz in den Geschichtsbüchern bleiben. Dem Kunden dürfte es egal sein – solange er eine einfache und bequeme mobile Bezahlfunktion geboten bekommt.

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