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Wie gut ist Peaks? Der neue Robo Advisor angetestet.

Im Niedrigzinsumfeld sind die Dienstleistungserlöse aus dem Wertpapiergeschäft mit ihren Kunden eine wichtige Ertragsstütze für deutsche Banken und Sparkassen. Nach Online-Brokern machen ihnen hier mittlerweile Robo Adviser immer stärker Konkurrenz. Mit dem niederländischen Fintech Peaks wird diese Konkurrenz nochmals größer. Ich habe Peaks mit Echtgeld angetestet.

Banken und Sparkassen haben es derzeit nicht leicht: die EZB sorgt mit Null- und Negativzinsen dafür, dass das alte Kerngeschäft mit der Marge zwischen Einlagen und Krediten nicht mehr wirklich funktioniert. Daher fokussieren sie sich seit einiger Zeit stärker auf Dienstleistungserlöse aus Kontoführungspreisen und auch dem Wertpapiergeschäft. In einem Land mit fehlender Aktienkultur, wie es Deutschland traditionell ist, ist das ein schwieriges Unterfangen.

Banken und Sparkassen treffen zudem auf einen starken Wettbewerb durch Online-Broker wie Onvista, Consors oder den S-Broker. Neue Fintech-Broker wie Trade Republic heizen diesen Wettbewerb durch absolute Kampfpreise noch an. Und dann wäre da ja noch die Konkurrenz durch den Robo Advisor. Diese Fintech-Sparte erhält seit dem Herbst in Deutschland durch den niederländischen Anbieter Peaks** weiteren Zuwachs.

Was hinter Peaks steckt

Das Fintech besitzt eine Lizenz der niederländischen Finanzmarktaufsicht AFM, Wertpapierorders anzunehmen und weiterzuleiten sowie Vermögen zu verwalten. Peaks wurde bereits 2016 von Tom Arends, Rutger Beens und Sijbrand Tieleman gegründet. Tom Arends bringt über 15 Jahre Berufserfahrung im Research und der Analyse von Finanzmärkten mit und war bis zur Gründung von Peaks bei der Rabobank angestellt.

Das dürfte auch der Hintergrund dafür sein, dass die niederländische Großbank bereits im Frühjahr 2017 – also schon sehr kurz nach dem Start – stark in das Startup investiert hat. Genaue Details sind zwar nicht bekannt, Business Insider schreibt aber von einer Mehrheitsbeteiligung und mehreren Millionen Euro Investment.

Mit diesem starken Geldgeber im Hintergrund konnte Peaks in den Niederlanden bereits mehrere Zehntausend Kunden für sich gewinnen. Nach eigenen Angaben hat die App im Google PlayStore bereits 168.000 Downloads, in Apples Appstore sogar 227.000 (Stand 25.04.2020). Die Zahlen dürften allerdings weiterhin spürbar steigen, mit den tiefen Taschen seiner Kapitalgeber investiert das Fintech in den letzten Monaten massiv in Werbung über Social Media, um seine junge Zielgruppe zu erreichen.

Wie man „Peaker“ wird

Was also kann Peaks? Nun, zunächst einmal handelt es sich bei dem Fintech um einen klassischen Robo Advisor, wobei sowohl ‚Robo‘ als auch ‚Advisor‘ eher Label als tatsächliche Leistungsmerkmale sind. Dafür bietet Peaks ein paar interessante Features, die derzeit ein USP gegenüber anderen in Deutschland tätigen Robos darstellen.

Das Onboarding läuft erfrischend anders, als bei deutschen Robo Advisern: frischer, lockerer – per simuliertem Chat-Bot (auch wenn ich dachte, das sei schon wieder out) . Man merkt an Bildsprache und Texten, dass sich Peaks an jüngere Kundengruppen richtet.

Bereit zum peaken - aus der Bestätigungsmail von Peaks
Bunte Farbwelten, lässige Ansprache – Peaks zielt auf junge Kundengruppe (Quelle: Screenshot aus Mail)

Bereits im Onboarding-Prozess werden die verschiedenen Portfolios vorgestellt, aufgeteilt in verschiedene Schärfegrade von ‚mild‘ bis ‚feurig‘. Den Schärfegraden wird jeweils ein Anlagehorizont und eine erwartete jährliche Rendite zugeordnet, auch Beispielrechnungen basierend auf der Auswahl und der gewünschten monatlichen Rate werden hier bereits angezeigt.

Die Legitimation erfolgt ausschließlich durch ein Foto der Rückseite des Personalausweises – das geht deutlich schneller und bequemer für den Nutzer, als die in Deutschland üblichen Video-Ident-Verfahren. Ein echter Wettbewerbsvorteil durch die laxerere Handhabung durch die niederländische Aufsicht kombiniert mit dem EU-Passporting.

Kurz noch das eigene Girokonto durch die Eingabe Zugangsdaten für das Online-Banking verknüpfen, und schon kann es losgehen. Ob der Zugriff per PSD2-API oder Screen Scraping erfolgt, ist schwer dabei zu sagen.

Was Peaks zu bieten hat

Wie für einen Robo Advisor üblich, investiert auch Peaks die Kundengelder in unterschiedlich risikoreiche Portfolios aus kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETFs). Welche das sind, sieht der Kunde bereits vorab. Gerade einmal vier verschiedene Portfolios gibt es, die jeweils hinter einem der vier ‚Schärfegrade‘ steht. Die Portfolios unterscheiden sich dabei in Ihrer Aufteilung zwischen Aktien- und Anleihefonds.

Die vier Portfolios von Peaks nach Schärfe sortiert
Wie ’scharf‘ darf es sein? Die vier Portfolios von Peaks (Quelle: Screenshots aus der App)

‚Robo‘ ist daran herzlich wenig, letztlich sind es faktisch vier verschiedene ETF-Dachfonds, zwischen denen sich der Kunde entscheiden muss. Das kennt der Kunde genau so von seiner Bank oder Sparkasse. Auch ‚Advice‘ gibt es keine, der Kunde erhält transparente Informationen zu den Portfolios und den dazugehörigen Kosten und entscheidet dann eigenständig im Rahmen der übersichtlichen Auswahl.

Im Gegenzug erhält der Kunde aber auch ein vergleichsweise günstiges Angebot. Peaks berechnet bei Investments über 2.500 Euro jährlich eigene Servicepreise von 0,5% auf das Portfolio. Damit ist der Newcomer auf dem deutschen Markt gleich einmal als Preisführer unterwegs. Die deutsche Konkurrenz ruft mehrheitlich Gebühren zwischen 0,75 und 1,00% p.a. auf. Unterhalb von 2.500 Euro Depotvolumen steht allerdings ein Fixpreis von 1,00 Euro pro Monat – für Kleinstportfolios kann das dann (relativ gesehen) sehr teuer werden. Die ersten drei Monate sind derzeit allerdings gratis.

Wie bei allen anderen Robos auch, kommen zu den Gebühren noch die Kosten der Fondsanbieter, die Peaks mit durchschnittlich 0,32% beziffert, womit man sich im Mittelfeld des Wettbewerbs bewegt. Sehr positiv muss erwähnt werden, dass Peaks extrem transparent mit dem Gebührenthema umgeht und einen Kostenrechner mit absoluten und relativen Kosten für ein Jahr und 10 Jahre anbietet.

Das Besondere an Peaks

So weit, so normal. Mit diesen Merkmalen präsentiert sich Peaks als ein preisgünstiger Robo Advisor mit Fokus auf eine junge Zielgruppe. Was den Newcomer von der Konkurrenz abhebt ist, dass das Geld nicht nur stur einmal monatlich per Dauerauftrag oder Überweisung ins Portfolio kommt (Peaks nutzt stattdessen ohnehin SEPA-Lastschrift).

Die Einzahlungen speisen sich stattdessen aus vier verschiedenen Quellen:

  1. den klassischen monatlichen Zahlungen, die in individuell eingestellt werden können,
  2. einem festen Betrag pro Tag (das gesammelte Kleingeld wird am Ende gebündelt eingezogen),
  3. Einmalzahlungen über den „+“-Button sowie
  4. dem Wechselgeldsparen, bei dem alle Kontobewegungen auf den nächsten vollen Euro aufgerundet und der Rundungsbetrag investiert werden.

„Aus Kleinvieh wird auch Mist“, lautet hier offenbar die Devise. Bekannt ist dieser Ansatz von meinem Ex-Lieblings-Fintech Savedroid. Der kleine Spardroide hatte mein Girokonto ebenfalls im Blick und hatte aufgerundete Beträge auf ein Sparkonto überwiesen. Positiv daran ist, dass man über diese Funktion auch finanziell weniger gut organisierte Menschen für das Thema Fondssparen erreicht. Gleichzeitig sorgt das für viel Durcheinander auf den Kontoauszügen.

Transparenz in der Peaks-App (Quelle: Screenshots aus der App)

Weiter Pluspunkt von Peaks ist die tolle User Experience (UX). Die Bedienung der App ist komplett intuitiv, Ein- und Auszahlungen erfolgen mit wenigen Klicks und ich finde schnell und übersichtlich alle Informationen, die ich zu meinem Portfolio, den Transaktionen und den einzelnen ETFs suche. Hier können sich nicht nur traditionelle Banken und Sparkassen, sondern auch viele etabliertere Robo Adviser eine Scheibe von abschneiden.

Peaks hat Potential

Sicherlich: Peaks kommt relativ spät auf den deutschen Markt, der zudem von einer Vielzahl an Wettbewerbern bevölkert wird. Bis auf Scalable Capital und – deutlich abgeschlagen – ComInvest und Liqid kommt kaum einer auf ein nennenswertes Anlagevolumen, mit dem ein nachhaltiger Geschäftserfolg des Fintechs möglich ist. Zudem ist Deutschland in Sachen Wertpapieranlage ohnehin ein schwieriger Markt.

Peaks profitiert allerdings vom finanzstarken Mehrheitsinvestor Rabobank und kann mit Nutzerfreundlichkeit, Transparenz und geringen Kosten überzeugen. Peaks hat damit in meinen Augen gute Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein.

Ihr wollt Peaks auch ausprobieren? Kein Problem, geht einfach hier auf die Peaks-Website**, ladet die App herunter und gebt dann meinen Promocode TOBIAK4WM ein. Ihr erhaltet dann 5 Euro Startguthaben gutgeschrieben.


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