Echtgeld-Test – Amazon-Kreditkarte

Nur Bares ist Wahres, heißt es im Volksmund. Doch langsam aber sicher setzen sich die anderswo in der Welt schon lange beliebten Kreditkarten auch hierzulande immer mehr durch. Neben der reinen Zahlungsfunktion bieten viele Karten interessante Sonderfunktionen – so auch die Kreditkarte von Amazon, die ich ca. 10 Monate im Echtgeld-Test im Einsatz hatte. Wie sie sich dabei geschlagen hat, lest Ihr hier.

Zeitweise aggressive Werbung und Startguthaben

Wer häufiger bei Amazon einkauft, wird vielleicht das ein oder andere Mal über die Werbung für die Kreditkarte (VISA) gestolpert sein. Eine Zeit lang wurde sie in jedem Check-Out Vorgang angezeigt und der aktuelle Warenkorbwert gleich um eine Willkommensprämie bereinigt. Mittlerweile ist die Werbung nicht mehr so aggressiv.

Angezuckert werden die potentiellen Karteninhaber mit einer Willkommensprämie, die im Zeitverlauf immer mal wieder stark schwankt. Meistens werden 30 Euro Startguthaben ausgelobt, manchmal aber auch mehr. Ich hatte das Glück, dass mir die Karte mit 60 Euro Bonus angeboten wurde – da musste ich einfach zuschnappen. Das Guthaben wird direkt mit den ersten Einkäufen verrechnet und nicht erst nach Erreichen eines bestimmten Mindestumsatzes ausgezahlt.

Verwaltung der Karte über Online-Portal

Die Verwaltung der Kreditkarte erfolgt über ein Online-Portal der herausgebenden Bank, der Landesbank Berlin. Hier findet der Kunde z.B. die aktuelle Umsatzübersicht, seine letzten Abrechnungen als PDF und Möglichkeiten zur Verwaltung von Kontaktdaten, zur Bestellung von Ersatzkarten und -PINs sowie zur Änderung der Rückzahlungsmodalitäten.

Das Portal ist durchaus zweckmäßig – alle wichtigen Funktionen sind hier zu finden. Allerdings versprüht die Seite den Charme einer “Internet-Filiale” der Sparkassen aus den späten 90er-Jahren. Die Übersichtlichkeit ist entsprechend schlecht: man klickt viel und sucht schon mal ein bisschen länger.

Auf die inneren Werte kommt es an: das Bonusprogramm

Was die Karte aber für alle Online-Shopper interessant macht, ist das Bonusprogramm. Für sämtliche Umsätze, die mit der Karte getätigt werden, erhält der Inhaber Bonuspunkte – für Umsätze auf Amazon (inkl. Marketplace) gibt es zwei Punkte pro 1 Euro Umsatz, für alle andere Umsätze einen Punkt je 2 Euro Umsatz. Nutzt man die gegen Aufpreis erhältliche Girocard, bekommt man dafür einen Punkt je 10 Euro Umsatz gutgeschrieben. Ein Bonuspunkt hat dabei den Gegenwert eines Euro-Cents und kann wahlweise eingesetzt werden, um den ab dem zweiten Jahr einsetzenden Kartenpreis zu bezahlen oder – und das dürfte interessanter sein – um die Bonuspunkte für Einkäufe bei Amazon einzusetzen.

Ursprünglich lief es so, dass man sich immer für 1.000 Bonuspunkte einen 10 Euro-Gutschein-Code von Amazon zusenden lassen konnte. Mittlerweile haben die Landesbank Berlin und Amazon das System aber so gut weiterentwickelt, dass man die Bonuspunkte auch schon vorher centgenau im Checkout-Prozess einlösen kann.

Nette Nebenleistungen, die man aber im Zweifel seltener nutzt sind 6% Cashback auf Reisebuchungen, die über das Portal gebucht werden, Wahl-Kartenmotive (gegen Aufpreis) und ein monatliches Gewinnspiel.

Flexibilität bei der Abrechnung

In Sachen Abrechnung gibt sich die Karte flexibel. Wer – wie ich – seine Finanzen lieber fest im Überblick hat, der kann die Kreditkarte monatlich abrechnen und dann in voller Höhe belasten lassen. Wer dagegen ein bisschen mehr Flexibilität benötigt, kann den offenen Kartensaldo entweder in einer feste Rate von mindestens 100 Euro pro Monat (mindestens 10 % des Rechnungsbetrages) oder in einer prozentualen Rate (ab 10 %) vom monatlichen Rechnungssaldo (mindestens 50 Euro) einziehen lassen.

Aber Achtung: diese Kreditfunktion ist zwar bequem, aber leider auch ziemlich teuer. Die 1,17% pro Monat sehen zwar auf den ersten Blick günstig aus, bedeuten aber aufs Jahr gerechnet einen effektiven Jahreszins von 14,98% p.a.. Da dürfte der Dispo bei der Hausbank regelmäßig günstiger sein.

Wer es mag, kann den offenen Kreditkartensaldo über eine – wie immer sehr teure – Restkreditversicherung gegen Tod, Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit absichern lassen. 0,87% des monatlichen Kreditkartensaldos kostet das – und dürfte in der Regel eher überflüssig und zu teuer sein.

Im ersten Jahr kostenlos, danach mit durchschnittlichen Konditionen

Die Entscheidung für die Amazon-Kreditkarte fällt im ersten Moment nicht schwer, denn neben der Startgutschrift als Abschlussverstärker lockt Amazon zudem mit kompletter Beitragsfreiheit im ersten Nutzungsjahr. So kann man die Karte zunächst einmal risikolos testen und sie im Zweifel rechtzeitig vor Beginn des 2. Jahres kündigen, denn ab da kostet sie immerhin 19,99 € pro Jahr. Ein überschaubarer Preis, wenngleich auch kein echtes Schnäppchen.

Auch die weiteren Konditionen sind eher durchschnittlich bis mäßig: u.a. eine optionale Girokarte für 4,99 €, Barauszahlungen für 3% und Auslandseinsatz (nicht Euro) für 1,75% des Umsatzes. Bei flexiblem Rateneinzug wird der offene Saldo mit den oben genannten 14,98% Zinsen belastet – im aktuellen Niedrigzinsumfeld nahe am Wucher.

Wie sich die Karte in der täglichen Praxis macht

Die Amazon-Kreditkarte ist während der 10 Monate tatsächlich zu meinem bevorzugten Zahlungsmittel geworden. Wo immer ich die Kreditkarte einsetzen konnte, habe ich das auch getan – und zunächst einige 10-Euro-Gutscheine ershoppt und später auch viel vom Direktabzug bei Amazon-Checkout profitiert.

Online schlägt sich die Karte, wie sich eine Kreditkarte nun mal so schlägt. Am POS punktet die Karte mit seiner Kontaktlos-Funktion – wenn das Händler-Terminal es denn unterstützt (z.B. Shell-Tankstellen).

Nun, kurz vor Ende der kostenlosen, 12-monatigen Probezeit habe ich die Karte schweren Herzens gekündigt. Für einen Amazon-Junkie wie mich würde sich die Karte zwar auch trotz den Jahrespreises von knapp 20 Euro rechnen – allerdings will ich auch weitere Karten testen, so dass ich dann wohl doch am break-even scheitern würde.

Die wichtigsten Daten im Überblick:

Kartenpreis: 19,99 Euro p.a. (im 1. Jahr kostenlos)
Startbonus: schwankend (zwischen 30 und 70 Euro)
Rückzahlung: wahlweise monatlich in einer Summe (Charge) oder Teilzahlung
Zinsen für Teilzahlung: 14,98% eff. p.a. (Stand 22.03.2016)
Auslandseinsatz: 1,75% des Kartenumsatzes (wenn nicht in Euro)
Barauszahlungen: 3% innerhalb Verfügungsrahmen (mind. 7,50 Euro Inland/mind. 5 Euro Ausland)

Das vollständige Preis-/Leistungsverzeichnis findet Ihr hier.

Fazit:

Eine wirklich tolle und mehrwertige Karte für alle, die oft und viel bei Amazon einkaufen und diese Karte ein einzige – oder zumindest bevorzugte – Karte nutzen. Immerhin ist man bereits ab 1.000 Euro Amazon-Umsatz pro Jahr in der Gewinnzone. Einziger Kritikpunkt ist das veraltete Webinterface der Landesbank Berlin – wer schon einmal das Kontrollcenter von Number26 (hier im Portrait) gesehen hat, weiß, was man hier noch alles besser machen könnte.

Mehr Informationen erhaltet Ihr hier.

 

Aktuell teste ich das Barclaycard-Kreditkartendoppel von GMX. Einen ausführlichen Test werde ich in ein paar Monaten posten.

Hat euch der Test gefallen? Oder habt Ihr Fragen, Ergänzungen oder Anmerkungen? Dann postet einfach einen Kommentar.

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