MasterCard ist Fintechs Liebling – Grafik-Update

Unter den Kreditkartenanbietern hat weltweit VISA die Nase vorn bei Umsatz und Akzeptanz, dicht gefolgt von MasterCard. American Express folgt mit weitem Abstand auf Platz 3. Aber wie sieht es eigentlich im innovativen Teil der Finanzbranche aus?

MasterCard ist Fintechs Liebling

Schaut man sich nur Fintechs und Neo-Banks an, zeigt sich ein komplett anderes Bild. Fast scheint es so, als hätte MasterCard eine Art Monopol in diesem Segment. Im Prinzip (fast) jedes Fintech setzt auf die Dienste der „Unbezahlbaren“. VISA – Marktführer in der Welt von ‚old money‘ – findet in der Welt von ’new money‘ kaum statt und bei American Express heißt es nur: „Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“ (was allerdings American Express‘ Business Model geschuldet ist).

Die folgende Infografik erhebt zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gibt aber einen ganz guten Eindruck davon, wie sich die Marktanteile der drei Kreditkarten-Schemes in Fintech verteilen:

MasterCard bemüht sich intensiv um Fintechs

Wenn man sich mit Payment-Experten und Gründern über die Dominanz von MasterCard in diesem Segment unterhält, hört man verschiedene Erklärungen. Einerseits scheint sich die Crew von MasterCard einfach intensiver um die Newcomer zu bemühen. Auch insgesamt wirkt die Marke frischer und moderner, sponsert Musikfestivals und versorgt die Veranstalter mit kontaktlosen Payment-Lösungen.

Fintechs äußern sich zudem sowohl öffentlich als auch im vertraulichen Gespräch äußerst positiv über den Support, den MasterCard den jungen Unternehmen bietet. In einer Pressemitteilung des Kreditkartenriesen aus dem Sommer 2017 lässt sich z.B. Valentin Stalf, Mitgründer und CEO von N26 wie folgt zitieren:

„Es war eine klare Herausforderung, Partner zu finden, die über eine digitale und damit flexible Infrastruktur verfügen, um die gewünschte Nutzererfahrung für unsere Kunden zu ermöglichen. Wir haben recht früh erkannt, dass Mastercard ein dynamischer Anbieter auf dem Markt ist und offen für neue Produkte und Technologien. Diese Vorteile von einer renommierten Marke wie Mastercard zu bekommen, die mit den neuesten Entwicklungen Schritt hält und über ein weltweites Netzwerk verfügt, war für uns wie das Knacken eines Jackpots.“

Viel euphorischer kann man sich kaum über seinen Payment-Partner äußern. Auch Antti-Jussi Suominen, CEO bei Holvi ist voll des Lobes:

„Uns ist es wichtig, mit Partnern zu arbeiten, die für Vertrauenswürdigkeit stehen. Unser Ziel ist es, unseren Kunden in einem digitalen Zeitalter grenzenloses Banking anzubieten. Mastercard kennt keine Grenzen und operiert weltweit – genauso wie unsere Kunden“

Es gibt aber auch noch andere Gründe

Aber auch in vertraulichen Hintergrundgesprächen mit about#Fintech hört man nur Gutes. Auch da wird immer wieder der vorbildliche und intensive Support betont. Hier hört man aber auch noch weitere Gründe – und die liegen bei den Banking-Partnern wie Wirecard oder Paysafe. Viele Fintech-Startups haben in ihrer Frühphase keine eigene Bank- oder Issuing-Lizenz, sondern nutzen die Lizenzen dieser Dienstleister.

Fintechs, die dabei auf Paysafe als Issuing-Partner setzen, landen dann zwangsläufig bei MasterCard. Denn Paysafe ist dort Pricipal Member, nicht aber bei VISA. So bleibt den hier angeschlossenen Fintechs gar keine Wahl. Die gäbe es theoretisch bei Wirecard, denn die Münchner sind Principal Member beider großen Kreditkarten-Schemes. Dennoch bieten sie Fintechs, die auf Wirecard als Issuing Partner zurückgreifen, dem Vernehmen nach standardmäßig nur MasterCard an. Hört man sich in der Szene um, wird vermutet, dass Wirecard wohl einfach einen finanziell attraktiveren Deal mit MasterCard erzielen konnte.

Visa greift zum Scheckheft

Um nicht nachhaltig den Anschluss zu verlieren, muss sich Visa deshalb etwas einfallen lassen. Weil das anscheinend nicht mit innovativen eigenen Angeboten funktioniert, tut Visa das, was Platzhirsche gern in so einer Situation tun: sie greifen zum Scheckheft.

2017 z.B. beteiligte sich Visa als Investor beim wachstumsstarken Fintech Klarna. Nicht verwunderlich, dass es die Klarna Card, die es seit Neustem auch in Deutschland gibt, denn auch nur als Visa, nicht aber als MasterCard gibt.

Hilfreich für die Aufholjagd in der Fintech-Szene war definitiv auch die Beteiligung an der Berliner Fintech-Bank solarisBank, die als Banking-Partner jungen Fintechs ihre Banklizenz zur Verfügung stellt. Denn künftig werden Fintechs, die sich von solaris begleiten lassen, präferiert Visa angeboten bekommen – nicht MasterCard.

Fazit

Welche Gründe auch immer am Ende den Ausschlag geben: die Dominanz MasterCards bei Fintechs und innovativen Neo-Banks ist unbestreitbar. Und wer erst einmal die genialen Produkte wie die SmartCard von Fidor oder die Curve-Karte genutzt hat, vermisst VISA kein Stück. Der bisherige Platzhirsch dagegen muss zusehen, dass man endlich Fahrt aufnimmt, denn die Neo-Banks gewinnen immer schneller immer mehr Kunden.

Visa hat allerdings reagiert und sich bei wichtigen Partnern eingekauft. Ob das reichen wird, bleibt abzuwarten.

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