Fintech Portrait – FLEX Payment

Als ich Anfang des Monats der zweiten Auflage von „Finance meets FinTech“ von POINT.Consulting in Hamburg beiwohnte, hatte ich das Vergnügen, ein junges Hamburger FinTech kennenzulernen, das sich anschickt, die Finanzierungsprobleme kleiner selbständiger Unternehmer zu lösen: FLEX Payment.

Aus der Not heraus geboren

Geboren wurde die Idee zu FLEX Payment gemäß den Erzählungen des geschäftsführenden Gesellschafters, Cemil Arslan, wie so oft aus der eigenen Not heraus. Als kleiner selbständiger Berater musste er – wie im Geschäftsleben üblich – 30 bis 60 Tage nach getaner Arbeit auf sein Geld warten, während die Kosten – betrieblich wie privat – weiter liefen und keinen Aufschub duldeten.

Die Banken waren ihm in dieser Situation keine große Hilfe, denn einerseits war er als Kleinstunternehmer für einen klassischen Kontokorrentkredit noch viel zu klein, andererseits für einen Dispositionskredit mit unregelmäßigem Einkommen nicht gut genug.

Mit einer Menge werthaltiger, aber noch offener Außenstände schien das Factoring – also der Verkauf ebene dieser Forderungen – eigentlich die optimale Lösung seines Problems zu sein. Wenn… ja wenn da nicht die Mindestlosgrößen wären. Denn die klassischen Factoringgesellschaften bieten ihre Dienste regelmäßig erst ab einem Mindestjahresumsatz von 250.000,00 Euro pro Jahr an. Für einen Kleinstselbständigen – wie es Arslan damals noch war – eine schier unüberwindbare Hürde.

Das kann es doch nicht sein, dachte sich Arslan – und damit war sie geboren: die Idee zu FLEX Payment – der Lösung für Kleinstfactoring.

Einfach und schnell…

Die Nutzung des Dienstes ist denkbar einfach gestaltet: Nutzerkonto angelegt und mit dem kostenlos zur Verfügung gestellten Rechnungseditor Rechnungen erstellt und nach kurzer softwaregestützter Prüfung durch FLEX Payment wird die Überweisung umgehend in die Wege geleitet (versprochen wird eine Überweisung innerhalb von 15 Minuten).

Für Kleinstselbständige ist allein schon der Rechnungseditor ein echter Mehrwert, zudem übernimmt FLEX Payment auch das Mahnwesen für den Kunden und sichert die Forderung zudem gegen Zahlungsausfall bei EULER Hermes ab.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Kunde ohne weitere vertragliche Verpflichtung nur die Rechnungen einreichen kann, die er möchte. Klassische Factoringgesellschaften verlangen dagegen in der Regel, dass sämtliche Forderungen zu Kauf angeboten werden müssen.

Einziger Wermutstropfen ist allerdings, dass FLEX Payment ausschließlich Forderungen gegen gewerbliche Kunden ankauft, nicht aber Rechnungen an Privatpersonen. Hintergrund ist, dass die Forderungen durch die Creditreform auf Werthaltigkeit geprüft werden – und das geht nur bei gewerblichen Kunden.

Screenshot FLEX Payment-Homepage

Screenshot FLEX Payment-Homepage (Quelle: FLEX Payment)

…aber auch nicht gerade ein Schnäppchen

Ausbezahlt – sprich vorfinanziert – werden dann 80% des Rechnungsbetrages – und damit der Betrag, der über EULER Hermes ausfallversichert ist. Der Sicherheitseinbehalt von 20% wird ausgezahlt, wenn der Auftraggeber die Rechnung bezahlt hat, spätestens jedoch nach 120 Tagen.

Auf den gesamten Rechnungsbetrag berechnet FLEX Payment eine einmalige Gebühr von maximal 3,95% zzgl. MwSt. Für Kleinstrechnungen gilt dabei allerdings eine Mindestgebühr von 25,00 Euro zzgl. MwSt. Im Gegenzug reduziert sich die Gebühr leicht bei größeren Rechnungsbeträgen und deutlich bei regelmäßiger Nutzung des Dienstes (Rabattstaffel).

Auf den ersten Blick wirken die 3,95% wie ein echter Schnapper angesichts von Dispozinsen um die 10,00%. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass es sich bei den 3,95% um eine einmalige Gebühr für gerade einmal 30 bis 60 Tage Laufzeit handelt, so dass sich daraus überschlägig ein jährlicher Zinssatz von 23,7 – 47,4% p.a. ergibt – dagegen erscheint der Dispozins von 10,00% p.a. dann geradezu lächerlich günstig.

Allerdings stellt sich die Frage nach diesem Preisvergleich für die adressierte Zielkundengruppe in der Regel nicht, denn diese ist ja regelmäßig von solchen Finanzierungsmöglichkeiten abgeschnitten.

Für FLEX Payment kann sich das rechnen, aber Wachstum ist Pflicht

Ob sich das Geschäftsmodell für FLEX Payment rechnen wird, wird erst Zeit zeigen. Immerhin müssen die Kosten für Rechnungserstellung und -versand sowie das Mahnwesen komplett getragen werden, ebenso muss die ausgezahlte Factoringsumme refinanziert werden. Dazu müssen Fixkosten wie Gehälter und Mieten bezahlt und im besten Fall Gewinn erzielt werden.

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Wie bei fast allen techniknahen Start-Ups wird es auch hier elementar sein, das Geschäftsmodell möglichst schnell skalieren zu können. Aktuell befindet sich das Unternehmen noch in der Markteroberung und als erst Zielmarke wurde in den ersten beiden Jahren jeweils ein Factoringvolumen von 500.000 Euro erreicht – was einen Umsatz von gerade einmal knapp 20.000 Euro bedeutet – zum Leben zu wenig. Das weiß auch die Geschäftsführung und peilt daher schnell ein Finanzierungsvolumen von 10 Millionen Euro an, was einen Umsatz von immerhin bis zu 395.000 Euro bedeuten würde, und ist dabei auf einem guten Weg: laut Geschäftsführer Arslan werden aktuell (Stand Dezember 2015) bereits 200.000 Euro pro Monat finanziert – mit zuletzt deutlich steigender Tendenz, da der Werbedruck nun erhöht wurde.

Was die Refinanzierung angeht, geht FLEX Payment auch neue Wege. Nach der Family & Friends – Finanzierungsrunde soll die Refinanzierung des Factorings nicht primär durch Banken erfolgen. Stattdessen wendet sich das Unternehmen in der aktuellen Niedrigzinsphase an Investoren und Family Offices und bietet diesen die Refinanzierung an. Da die Forderungen ja über EULER Hermes ausfallversichert sind, kann das für Anleger eine interessante Anlagemöglichkeit sein.

Fazit

FLEX Payment hat sich mit seinem Angebot eine durchaus interessante Nische ausgesucht und ist dabei auch ein Pionier in dieser Branche in Deutschland. Entscheidend wird nun ein schnelles Wachstum sein. Dieses wird einen hohen Werbedruck zumindest im SEM benötigen, den ich aber aktuell nicht erkennen kann.
Ich bin gespannt, wie sich Idee weiter entwickelt.

Was spricht für FLEX Payment?
+ interessante Marktnische
+ einfach gestaltet
+ flexibel
+ Rechnungseditor mit echtem Mehrwert

Was erscheint kritisch?
– starkes Wachstum nötig
– hohe Preise für das Produkt
– hoher Refinanzierungsbedarf

Zum Unternehmen

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FLEX Financial Solutions GmbH
Mönckebergstraße 11
20095 Hamburg

Kontakt Tel: +49 40 302 298 – 00
Fax: +49 40 302 298 – 04
E-Mail: info@flexpayment.de
Web: www.flexpayment.de

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