Fintech-Event: FI Forum 2016

Wenn der zentrale IT-Dienstleister der Sparkassen-Finanzgruppe, die Finanz Informatik (FI), alle zwei Jahre zu ihrer Hausmesse einlädt, dann wird die Hütte voll. Vom 15.11. – 17.11.2016 stieg das FI Forum 2016 in der Messehalle 11 in Frankfurt am Main. Neben viel Bodenständigem wie z.B. Geldautomaten oder Software zur Banksteuerung gab es auch erstaunlich viel Innovatives zu entdecken. Die Highlights des FI Forums 2016 gibt es hier im Überblick.

‚Vom Kunden her denken‘

Die Sparkassen-Finanzgruppe ist eine große Familie – eine sehr große sogar. Und so war mächtig viel los in der Frankfurter Messehalle: rund 12.000 Teilnehmer in drei Tagen besuchten die zahlreichen Messestände der vielen Partnerunternehmen der Sparkassen. Mehr als 90 Partnerunternehmen präsentierten an 114 Messeständen ihre Lösungen für Banken und Sparkassen.

Dazu kamen insgesamt 63 verschiedene Keynotes und Impulsvorträge (oder im Bankdeutsch: Fachforen) mit teilweise hochkarätigen Speakern aus der Sparkassen-Gruppe, aber auch von externen Branchenexperten, die – teilweise zeitgleich – auf drei verschiedenen Bühnen stattfanden.

FI Forum 2016 - vom Kunden her denken

Das Motto des FI Forum 2016 (Quelle: Finanz Informatik)

Das FI Forum als Ganzes stand dabei unter dem Motto: „Vom Kunden her denken“. Ein Motto, dass sich derzeit viele innovative Fintech-Startups auf die Fahnen schreiben und das man in der öffentlichen Debatte den traditionellen Banken und Sparkassen gar nicht zugestehen will. Ein Fehler, wie sich auf dem FI Forum 2016 eindeutig gezeigt hat.

Vom Geldautomaten bis zu Alexa und VR

An den insgesamt 206 Ständen der FI und ihrer Ausstellungspartner gab es eine riesige Bandbreite von Angeboten – da war für jeden was dabei. Die Stände waren aufgeteilt in die vier Themenwelten „Sparkasse erleben“, „Effizient arbeiten“, „Zukunft entdecken“ und „Zuverlässig steuern“.

Old-School-Banker konnten sich u.a. an modernen Geldautomaten – die allerdings vor allem ins Ausland verkauft werden – erfreuen oder sich Sicherheitsvorrichtungen zu deren Schutz gegen Aufbruch oder Sprengung zeigen lassen. Nichts, was dem geneigten Technik-Nerds das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Aber Technik, die für die Lebenswirklichkeit der breiten Masse von Bankkunden tatsächlich relevant ist.

Eine Vielzahl von Ständen beschäftigte sich dagegen mit den verschiedensten Software-Lösungen, die die Sparkassen dabei unterstützen sollen, die Bank im Allgemeinen stärker auf den Kunden zu fokussieren bzw. die Berater im Speziellen in die Lage versetzen soll, seine Kunden so persönlich wie möglich zu betreuen. Auch das mag zunächst wenig spannend klingen, ist aber in der heutigen Zeit eine Grundvoraussetzung dafür, seine Kunden professionell und bedarfsorientiert zu beraten.

FI Forum 2016 - Augmented Reality

Augmented Reality auf dem FI Forum 2016 (Quelle: Finanz Informatik)

Aus Sicht eines Fintech-Bloggers waren allerdings andere Aussteller deutlich spannender. Gleich mehrere Aussteller hatten sich z.B. dem Thema Virtual Reality gewidmet. Auch wenn die richtig schlagenden Use Cases hier noch fehlten, war es spannend zu sehen, dass die Sparkassen hier zumindest schon mal frühzeitig ein Zukunftsfeld für sich identifiziert haben. Spielereien wie z.B. ein interaktiver Spiegel-Bildschirm oder ein autonomer Roboter gaben Ausblicke darauf, was uns in Sachen ‚Bank‘ und ‚Banking‘ in Zukunft noch erwarten könnte.

Social Media, Daten und Strategie

Neben den Messeständen bildeten die zahlreichen Fachvorträge einen wichtigen Schwerpunkt beim FI Forum 2016. Drei verschiedene Bühnen waren nötig, um die 63 Vorträge in den drei Tagen unter zu bekommen. Weil dadurch immer mehrere Vorträge parallel liefen, konnte man leider nicht jeden spannenden davon verfolgen.

Die Führungsspitze der Sparkassen-Gruppe war durch Reden von Präsident Georg Fahrenschon sowie Vorstandsmitglied Dr. Joachim Schmalzl prominent vertreten. Beide beschworen die anwesenden Sparkassen-Leute, die Digitalisierung konsequent voranzutreiben, ohne dabei allerdings die Nähe zum Kunden zu verlieren. Spezialisten aus den Sparkassen und den Verbänden berichteten u.a. über Data Analytics oder die Video-Legitimation.

Auch externe Spezialisten waren geladen und bereicherten mit ihren Auftritten die Messe. So versuchte z.B. „Klardenker“ Sven Korschinowski von KPMG dem Publikum das Thema Blockchain näher zu bringen.  Karsten John vom Meinungsforscher GfK referierte über Chancen und Risiken für die Sparkassen aus der Digitalisierung. Und Prof. Dr. Hackethal von der Goethe Universität Frankfurt gab einen Überblick über Geschäftsmodelle und das Ökosystem deutscher Fintechs.

FI Forum 2016 Georg Fahrenschon

DSGV-Präsident Georg Fahrenschon (Quelle: Finanz Informatik)

Und natürlich durften auch die innovativen Sparkassen-Themen nicht fehlen. Gute Präsentationen gab es u.a. vom P2P-Zahlungsdienst Kwitt (ehem. Geldbote) oder dem Online Payment-Dienst Paydirekt. Aber auch die Auftritte vom Mobile Payment-Dienst Bluecode oder dem neuen Vertrauensdienst YES vermochten zu überzeugen.

Highlights mit Symbioticon, S-Hub und YOMO

Für Fintech-Fans gab es rund um das FI Forum 2016 aber natürlich noch andere Highlights. So fand weitgehend parallel zur großen Messe der erste Hackathon der Sparkassen-Gruppe statt: der Symbioticon. Starke 154 Teilnehmer hatten sich angemeldet und in 29 Teams innerhalb von 31 Stunden spannende Lösungen entwickelt.

Neben Teams der Finanz Informatik und der StarFinanz (liefen außer Konkurrenz) waren auch mehrere altbekannte Gesichter dabei. Unter anderem z.B. mit FinTracer auch eines der Top-3-Teams vom diesjährigen Bankathon. Die Hacker konnten dabei erstmals auf die neue Sparkassen-API AHOI zurückgreifen. Daneben waren u.a. Redhat und IBM mit ihren APIs vertreten. In der Jury saß neben vielen Spezialisten aus der Sparkassen-Gruppe auch Fintech-Experte Jochen Siegert von paymentandbanking.com.

FI Forum - Siegerehrung Symbioticon

Die Sieger der Symbioticon (Quelle: Finanz Informatik)

Ebenfalls spannend – wenngleich noch nicht wirklich genau greifbar – war die Ankündigung des S-Hub. Dieser neue Hub soll die neue zentrale Plattform der Sparkassen-Gruppe sein, um interessante Fintechs anzubinden, aber auch neue Ideen zu validieren. Direkt an der StarFinanz angedockt soll sie der zentrale Ansprechpartner für Fintechs werden – und damit das Tor zu allein 17 Millionen Online-Kunden der Sparkassen.

Und natürlich durfte auch YOMO nicht fehlen. Mit ihrem ersten Mobile-Only-Angebot wollen die Sparkassen im Wesentlichen auf N26 reagieren – und zwar schneller als bei bisherigen Innovationen. Und das Interesse an YOMO war riesig. Regelmäßig bildeten sich große Menschentrauben rund um den Stand, an dem das YOMO-Team mit den knallbunten Hoodies auffällig herausstach. Was es zu sehen gab, hinterließ schon einmal einen sehr guten Eindruck.

FI Forum 2016 YOMO

YOMO-Stand auf dem FI Forum 2016 (Quelle: Finanz Informatik)

Mein Fazit zum FI Forum 2016

Insgesamt hat sich die Sparkassen-Gruppe auf dem FI Forum 2016 gut gerüstet präsentiert für die Zukunft. Zwar spielen sie mit vielen Ideen nicht ganz vorne mit im Innovationsrennen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Richtung stimmt und viele richtige Dinge angegangen werden. Das Motto ‚Vom Kunden her denken‘ wurde glaubwürdig vorgetragen – und das dürfte für die Zukunft der richtige Weg sein.

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Digitaler Banker | Blogger | Fintech – Experte. Ihr erreicht mich per Mail: tobias(at)aboutfintech.de oder auf Twitter: @aboutfintech

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