Fintech-Event: 12min. Meetup – Code Rouge #5

Die Meetup-Veranstaltungsreihen von 12min sind nichts für langatmige Redner: denn hier hat jeder Redner nur exakt 12 Minuten Zeit – und wird dann gnadenlos von der Hupe gestoppt. Die perfekte Bühne für junge Fintechs, um sich einem interessierten Fachpublikum zu stellen.

Am 22.02.2017 fand die fünfte Auflage des in Kooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) organisierten Meetups Code Rouge statt. Meine Eindrücke von der Veranstaltung könnt Ihr hier nachlesen.

Notprogramm am Ausweichtermin

Auch dieses Mal hatte das 12min.me-Team in die Vorstandsräumlichkeiten der Hamburger Sparkasse am Adolphsplatz geladen. Anders als bei allen vorherigen Ausgaben von Code Rouge, war die 5. Auflage allerdings nicht ausverkauft – obwohl es auf meetup.com sogar schon eine Warteliste gab.

Das war vermutlich einerseits dem Wetter geschuldet, bei dem man nicht unbedingt vor die Tür wollte. Wesentlich mehr aber wohl der Tatsache, dass es sich bei dem 22.02. um einen Nachholtermin gehandelt hat. Ursprünglich hätte die Veranstaltung turnusgemäß Ende Januar stattfinden sollen. Für diesem Termin hatten sich dann wohl auch die meisten Teilnehmer angemeldet.

Zu allem Überfluss gab es auch beim Lineup der Speaker kurzfristig zwei Absagen, so dass spontan noch zwei Reservisten aktiviert werden mussten. Der mit Spannung erwartete Pitch von YOMO wurde auf die nächste Ausgabe verschoben, weil Speaker Andreas Haupt (Star Finanz) krankheitsbedingt passen musste. Und auch das Insurtech friendsurance konnte leider nicht dabei sein.

Die Speaker des Abends waren deshalb letztlich:

Der Abblauf war immer wie folgt: ein Redner bekommt exakt 12 Minuten Zeit für den Vortrag. Im Anschluss gibt es exakt 12 Minuten für Fragen und Antworten und zwischen den Vorträgen 12 Minuten Pause – der Name  der Reihe ist also Programm.

Was sind die großen Fintech Trends in 2017?

Den Auftakt machte dieses Mal Mariusz C. Bodek von der comdirect Start-up Garage, der als Life-Saver in letzter Minuten als Speaker eingesprungen war. Er stellte einfach mal drei verschiedene Themen zur Abstimmung, wobei dann die Fintech Trends 2017 auf das größte Interesse stießen.

Wenig überraschend standen dabei Kooperationen als erstes auf der Liste. Denn schon in 2016 deutete sich an, dass Fintechs alleine große Probleme damit haben, eine kritische Masse zu erreichen. Die comdirect setze allerdings eher auf Coopetition. Auch die PSD2, die ab 2018 EU-weit gilt, durfte als Trend für 2017 nicht fehlen – immerhin müssen sich alle Banken in (spätestens) in diesem Jahr intensiv darauf vorbereiten.

Code Rouge #5 - Mariusz C. Bodek

Mariusz C. Bodek beim Code Rouge #5 (Quelle: Tobias Baumgarten)

Auch die Blockchain hatte Mariusz als Trend für 2017 identifiziert, was bei dem aktuellen Hype um das Thema nicht verwundert. Wobei wir echte Anwendungsbeispiele wohl erst ab 2018 ff. sehen werden. Aber auch AI und Chatbots stehen auf der Liste. Wobei AI Mariusz’ Worten zufolge derzeit noch eher dumm ist. Immerhin stehen dahinter meist mehr oder weniger simple Algorithmen und weniger selbst lernende Systeme.

Als letztes großes Thema nannte er dann Data. Die Banken säßen auf einem unglaublichen Datenschatz, dürften ihn aber aktuell nicht wirklich nutzen. Neben diese großen Trends wies Mariusz zudem auf drei weitere Trends hin, die man im Auge behalten sollte: kontaktlose Zahlungen, IT- und Datensicherheit sowie die Tatsache, dass die Geschwindigkeit der Entwicklung mittlerweile in Asien vorgegeben wird.

Digitale Identität – einfach und sicher

Nach der Getränkepause ging es weiter mit Carlo Ulbrich und Benny Bennet Jürgens, den Gründern von Nect. Die beiden vereinen jeweils 10 Jahre Erfahrung in der Versicherungsbranche bzw. im Business Development und haben zusammen ein Insurtech / Fintech, dass u.a. den Legitimationsprozess in der Finanzbranche einfacher und sicherer zugleich machen will. Der Selbstanspruch ist es, der Provider für die Digitale Identität zu werden.

Orientiert haben sich die beiden an Social Logins wie z.B. “Login mit Facebook”. Während User dieses Facebook-Login gern für Spiele und andere unverfängliche Seiten im Netz nutzen würden, komme der US-Datenkrake vielen deutschen Onlinern für sensible Finanzthemen nicht in Frage. Und hier sieht Nect seine Chance. Mit einem Dienst, der strengen deutschen Datenschutzbestimmungen unterliegt, zusätzlich verschlüsselt über die Blockchain funktioniert und von der deutschen Versicherungsindustrie im W1 Accelerator gefördert wurde.

Code Rouge #5 - NECT

Die Gründer von Nect beim Code Rouge (Quelle: Tobias Baumgarten)

Über einen Nect-Button, der im Online-Formular der jeweiligen Versicherung eingebaut ist, können die persönlichen Daten mit einem Klick übernommen und verifiziert werden. Zur Sicherheit müssen die Datenfreigaben dabei in der Nect-App bestätigt werden. Der User behält also stets die Hoheit über die freigegebenen Daten. In der Demo sah das einfach und intuitiv aus.

Grundsätzlich sehen die beiden Gründer als Einsatzszenario nicht nur Online-Formulare. Theoretisch könnten damit auch stationäre Systeme wie z.B. die Krankenkassenkarte ersetzt werden.

Die Start-up-Plattform der Sutor Bank

Als letzter Redner des Abends war dann als zweiter Life Saver Hartmut Giesen von der Sutor Bank am Start. Auch er wurde reichlich unvorbereitet in den Ring geworfen und stellte dann die Start-up-Plattform seiner Bank vor. Dass die Sutor Bank in der Fintech-Szene einen ziemlich guten Ruf genießt, ist erstmal ziemlich ungewöhnlich. Immerhin ist die Bank mit gerade einmal um die 80 Mitarbeiter und ihrem eigentlichen Fokus auf das Private Banking eher klein und unscheinbar.

Code Rouge #5 - Hartmut Giesen

Hartmut Giesen von der Sutor Bank (Quelle: Tobias Baumgarten)

Dennoch hat Sutor eine Plattform geschaffen, die bereits einigen Fintechs den Einstieg ins Business ermöglicht hat. Dabei kann sie den Fintechs zwar nicht mit dem Zugang zu Millionen von Kunden dienen, wie es eine comdirect kann. Dafür bietet sie eine gute Bankeninfrastruktur. Und die wird bereits fleißig genutzt. Der bekannteste Kunde der Plattform dürfte dabei das Hamburger Fintech Zinspilot sein, dass Einlagengelder deutscher Bankkunden an Banken in europäischen Hochzinsländern vermittelt.

Mit den Riester-Renten-Insurtech fairr.de oder dem Robo-Advisor Growney sind aber auch schon weitere, recht bekannte Namen mit an Board. Und damit soll das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht sein. In der Entwicklung seien Sparlösungen, Instant-Kredite und weitere Robo-Advice-Angebote.

Raum und Zeit für Networking

Im Anschluss an die drei Vorträge gab es viel Zeit und Raum für’s Netzwerken, Kennenlernen und Small Talk, wovon auch zahlreich und ausdauernd Gebrauch gemacht wurde.

Insgesamt war es erneut eine gelungene Veranstaltung der jungen Code Rouge Vortragsreihe. Der Termin für die nächste Auflage steht leider noch nicht fest.

Wart Ihr auch mit dabei? Postet Eure Eindrücke von Code Rouge #5? Postet als Kommentar unter diesen Beitrag.

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Digitaler Banker | Blogger | Fintech – Experte. Ihr erreicht mich per Mail: tobias(at)aboutfintech.de oder auf Twitter: @aboutfintech

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