Fintech-Event: 12min. Meetup – Code Rouge #4

Die Meetup-Veranstaltungsreihen von 12min sind nichts für langatmige Redner: denn hier hat jeder Redner nur exakt 12 Minuten Zeit – und wird dann gnadenlos von der Hupe gestoppt. Die perfekte Bühne für junge Fintechs, um sich einem interessierten Fachpublikum zu stellen. Am 27.10.2016  fand die offiziell 4. Ausgabe des in Kooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) organisierten Meetups Code Rouge statt.

Code Rouge is coming home

Die bisherigen drei regulären Ausgaben von Code Rouge sowie die Sonderausgabe im Rahmen der Fintech Week Hamburg zeichneten sich dadurch aus, dass sie jeweils an einem anderen Ort stattfanden. Nachdem die ersten Ausgaben am Adolphsplatz, am Veritaskai (Harburg) und im Mindspace stattfanden, war nun im Rahmen der Fintech Week Hamburg das betahaus im Schanzenviertel an der Reihe.

Nun kehrte die Veranstaltung wieder dorthin zurück, wo laut Planungen der Veranstalter eigentlich alle Ausgaben des Code Rouge stattfinden sollten: in den Vorstandsräumlichkeiten der Haspa im Herzen der Stadt. Wie bisher immer war das auch dieses Code Rouge komplett ausverkauft. Am Ende war kein Stuhl mehr frei, so dass Teile des Publikums Stehplätze einnehmen mussten – obwohl nicht alle der angemeldeten Teilnehmer vor Ort waren.

Als Speaker vor Ort waren:

Der Ablauf war immer wie folgt: ein Redner bekommt exakt 12 Minuten Zeit für den Vortrag. Im Anschluss gibt es exakt 12 Minuten für Fragen und Antworten und zwischen den Vorträgen 12 Minuten Pause – der Name  der Reihe ist also Programm.

Code Rouge 4 Location

Die Location des Code Rouge (Quelle: Tobias Baumgarten)

Die Herausforderung der Digitalisierung

Den ersten Pitch dieses Abends hatte Dr. Harald Vogelsang, der Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse AG. Wobei er natürlich nicht die Haspa und ihre Angebote vorstelle – bei einer fast 190 Jahre alten Bank wäre das sicherlich Zeitverschwendung gewesen. Stattdessen berichtete er von den Herausforderungen, denen sich die Haspa im Zeichen der digitalen Transformation stellen muss.

Sein Haus setze auf eine Koexistenz von “Brick and Mortar” auf der einen und digitalen Angeboten auf der anderen Seite. Das Ziel sei es, die “persönlichste Multikanal-Bank Hamburgs” zu werden. Die Bankfiliale sieht er also nicht “am Ende”, sondern als einen weiterhin wichtigen Baustein für die Zukunft. Was die digitalen Angebote angeht, musste er klar eingestehen: “Wir sind noch nicht auf Augenhöhe mit den Fintechs.” Auch werde die Haspa nie zu einem Frontrunner bei digitalen Bankdienstleistungen werden, wolle sich aber zu einem Early Follower entwickeln.

Um das zu erreichen, müsse sich die Haspa allerdings verändern. So sieht es Dr. Vogelsang denn auch als die spannendste Herausforderung an, seine Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen. Dazu arbeite man u.a. mit sogenannten “Multikanal-Botschaftern”, überwiegend jungen “digital natives”, die das Thema Digitalisierung positiv besetzen sollen. Der Vorstand setze aber auch bei sich selbst an. So würden regelmäßig Azubis und Jungangestellte zur Workshops mit dem Vorstand eingeladen – nicht um vom Vorstand zu lernen, sondern anders herum.

“Es war früher mal gemütlicher”

Dr. Vogelsang ist denn auch nicht bange, dass die Haspa den digitalen Wandel hinbekomme. Wenn sich die Haspa in seiner knapp 190-jährigen Vergangenheit wandeln musste, habe das bisher immer gut funktioniert – auch wenn es immer ein wenig gedauert habe. Er musste aber auch eingestehen, dass die Haspa noch kein fertiges Rezept habe, sondern noch am Anfang des Weges stehe.

Wir stecken mittendrin in einem der größten Transformationsprozesse, den die Haspa je bewältigen musste. Dr. Harald Vogelsang, Haspa

Diese Herausforderung ist Dr. Vogelsang aber eine Motivation, weil sie Kräfte freisetze, die sonst im Verborgenen blieben. “Früher ging es in unserer Branche gemütlich zu, das hat sich jetzt – zum Glück – geändert!”, sagte er. Mittlerweile probiere mal neue Wege wie z.B. agile Projektesteuerung. Überhaupt liefen die erfolgreichsten Projekte der Haspa außerhalb der traditionellen Strukturen.

Wie figo von der App zur API kam

Danach war André M. Bajorat, CEO von figo und Godfather der deutschen Fintech-Szene an der Reihe. Überraschenderweise drehte sich sein Vortrag dieses Mal nicht primär um sein Herzensthema Banking-APIs, sondern tatsächlich um die Geschichte von figo. Der API-Dienstleister startete nämlich eigentlich mit einer Banking-App. Allerdings gab es Probleme mit Apple, das die App kurzerhand aus dem AppStore geworfen hatte.

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Hintergrund war, dass man gegen die Richtlinien verstoßen habe. Gegen welche allerdings, das habe man nicht erfahren. Egal, an wen man auf Nachfrage weiter verwiesen wurde, immer wieder hieß es nur lapidar: gegen die Richtlinien verstoßen. Diese Gatekeeper-Funktion von Apple sei übrigens auch für die Banken eine neue Erfahrung gewesen: plötzlich mussten die großen Banken ihre Apps zur Freigabe vorlegen – früher wäre so ein Gedanke unvorstellbar gewesen.

Weil es mit der App also nicht klappen sollte, habe man das ‘p’ einfach gegen ein ‘i’ ausgetauscht, und die API-Entwicklung voran getrieben. Auf die Frage, welche Rolle figo eigentlich bei der Entwicklung der PSD2 gespielt habe, erwidert Bajorat kurz und knapp: “Keine.”. Um gleich hinterher zu schieben, dass er selbst aber sicherlich eine Rolle gespielt habe. Als damaliger Geschäftsführer von GiroPay im Streit mit SOFORT-Überweisung. Dass das alles war, mag man aber – bei aller Liebe – nicht so ganz glauben.

Open-API als Chance für Europa

Dabei sieht er die Entwicklung der Regulatorik in Europa sogar als Chance für den Standort. Zwar gebe es auch anderswo auf der Welt zarte Vorstöße in Sachen Open-API, aber mit API als Bestandteil der harten Regulatorik sein Europa Vorreiter auf der Welt. Open-API werde zum Trend, da kann es für Europas Finanzbranche nur vor Vorteil sein, frühzeitig dabei zu sein.

Wobei die Regulatorik an sich auch für figo eine Herausforderung sei – und nicht nur für die Banken. Bisher habe sich figo als Tech-Unternehmen verstanden. Das sei der BaFin und den anderen Aufsichtsbehörden letztlich aber egal. Dennoch sieht er die Regulierung positiv, immerhin stärke sie das Vertrauen der Verbraucher in die Technologie.

Ansonsten wiederholte er auch dieses Mal sein aktuelles Credo, dass Developer die Künstler unserer Zeit seien und eine entscheidende Rolle in der Zukunft des Banking spielen werden. Und er warnte die Banken, dass Voice-Assistenten das Banking noch einmal grundlegend umkrempeln würden. Und schloss die Mahnung an, diesen Trend nicht zu verpassen – anders als bei den letzten Tech-Trends.

Code Rouge 4 Speaker

Die drei Speaker des Abends (Quelle: Tobias Baumgarten)

Haftpflichthelden überzeugt Dich in 90 Sekunden

Der letzte Sprecher des Abends war dann Stefan Herbst von Haftpflichthelden. Zu Beginn referierte er über die Fehlerkultur der Deutschen und stellte fest: “Wir haben in Deutschland keine Fehlerkultur. In der Tat haben wir sogar eine Fehlerphobie!”. Dabei gebe es auf jede Frage in der Regel n Antworten – und jede sei auf irgendeiner Ebene richtig.

Dann kam der Schwenk auf sein eigentliches Thema: die private Haftpflichtversicherung. Hier geht Herbst mit seinem Fintech Startup Haftpflichthelden bewusst andere Wege als die traditionellen Versicherer. Während die nämlich immer stärker auf Individualpreise gingen, hat seine Firma die Versicherungs-Flatrate (wieder-)eingeführt. Das habe des Vorteil, dass der Kunde die Versicherung einmal abschließt, und sich dann nie wieder kümmern muss, wenn sich seine private Lebenssituation ändere.

Traditionelle Versicherer würden ihre Tarife nur noch auf die Vergleichsportale fokussieren. Damit seien sie zwar billig, aber in der Regel auch nicht für alle gut. Gerade Haftpflichtversicherungen seien dafür da, dann zu leisten, wenn sie gebraucht würden. Dafür brauche es allerdings auch auskömmliche, aber faire Preise. Gerade im Haftpflichtbereich sei Versicherungsbetrug ein großes Problem. Versicherte würde es als Sparbuch missbrauchen – die Versicherer würden daher regelmäßig konsequent nach dem 2. Schaden kündigen. Und dann bei einem anderen Versicherer eine neue Versicherung zu bekommen, sei schier unmöglich.

Erst die Hupe kann Herbst stoppen

Währen die anderes Speaker mit ihren 12 Minuten gut auskamen, musste Stefan Herbst mit der Hupe abgewürgt werden. Aber in der Fragerunde konnte er ja munter weitererzählen, denn eine Frage aus dem Publikum war, welche Dinge er denn noch hätte sagen wollen. Steilvorlage also. Und so erzählte er z.B. noch, dass jeder Satz im Leistungskatalog von Haftpflichthelden “einzeln gebürstet” sei. Wenn ihn die Anwälte nicht einfach erklären konnten, wurde der Satz einfach gestrichen.

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Von der Haftpflichtversicherung ist Herbst denn auch sehr angetan: diese sei das genialste Versicherungsprodukt mit Blick auf das Preis-/Leistungsverhältnis. Wo bekäme man denn bitte sonst für 80 Euro im Jahr einen Risikoschutz über 50 Millionen Euro? Eine Handyversicherung koste in etwa dasselbe – und brächte gerade einmal 500 – 1000 Euro Schutz.

Welche Versicherung denn das nächste Produkt für sein Unternehmen sein könnte, ließ Herbst dagegen offen. Erklärungsintensive Produkte wie die Berufsunfähigkeitsversicherung oder die private Altersvorsorge schloss er aber kategorisch aus.

Raum und Zeit für Networking

Im Anschluss an die drei Vorträge gab es viel Zeit und Raum für’s Netzwerken, Kennenlernen und Small Talk, wovon auch zahlreich und ausdauernd Gebrauch gemacht wurde.

Insgesamt war es erneut eine gelungene Veranstaltung der jungen Code Rouge Vortragsreihe, deren reguläre 5. Auflage übrigens am 26.01.2017 stattfindet. Anmelden könnt Ihr euch hier.

Wart Ihr auch mit dabei? Postet Eure Eindrücke von Code Rouge special? Postet als Kommentar unter diesen Beitrag.

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