Fintech-Event: 12min. Meetup – Code Rouge #3

Die Meetup-Veranstaltungsreihen von 12min sind nichts für langatmige Redner: denn hier hat jeder Redner nur exakt 12 Minuten Zeit – und wird dann gnadenlos von der Hupe gestoppt. Die perfekte Bühne für junge Fintechs, um sich einem interessierten Fachpublikum zu stellen.

Am 27.07.2016 fand die dritte Auflage des in Kooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) organisierten Meetups Code Rouge statt. Meine  Eindrücke von der Veranstaltung könnt Ihr hier nachlesen.

Dieses Mal wieder in der City

Nachdem der Veranstaltungsort der letzten Veranstaltung – am Veritaskai in Harburg – bei einigen Teilnehmern für Verwirrung und teilweise Unmut gesorgt hatte, wurde die aktuelle Auflage wieder ins Herz der Stadt zurück verlegt. Zwar nicht wie geplant in die Vorstandsräume der Haspa am Adolphsplatz, aber mit dem Mindspace am Rödingsmarkt ganz in die Nähe davon. In dieser Hinsicht bleibt für die junge Veranstaltungsreihe also nichts so beständig wie der Wandel – was ja sinnbildlich für die ganze Branche steht.

Wie bisher immer war das auch dieses Code Rouge komplett ausverkauft. Am Ende war kein Stuhl mehr frei, so dass Teile des Publikums Stehplätze einnehmen mussten – obwohl nicht alle der angemeldeten Teilnehmer vor Ort waren.

Geladen als Speaker waren:

Der Ablauf war immer wie folgt: ein Redner bekommt exakt 12 Minuten Zeit für den Vortrag. Im Anschluss gibt es exakt 12 Minuten für Fragen und Antworten und zwischen den Vorträgen 12 Minuten Pause – der Name  der Reihe ist also Programm.

Wo ist eigentlich die Bühne der Banken?

Den Auftakt machte dieses Mal Frank Sonder der fragte, was mit den Banken los sei. Er lenkte den Blick auf die Musikbranche und darauf, wie sehr die Digitalisierung deren etabliertes Geschäftsmodell durcheinander gewirbelt hat. Illegale Musiktauschbörsen, aber auch legale Musikdownloads und nicht zuletzte Streamingdienste haben dazu geführt, dass die Künstler ihr Geld mittlerweile weniger durch den Vertrieb verdienen. Stattdessen seien jetzt wieder die Live-Auftritte auf der Bühne die Haupteinnahmequelle der Künstler. Übertragen auf die Finanzbranche fragte Frank provokativ: wo ist eigentlich die Bühne der Banken?

Vieles, was Banken und Banking seit über hundert Jahren ausgemacht hat, ist aktuell im Wandel. Die Digitalisierung einerseits, aber auch neue Player nehmen den Banken Teile ihrer Funktionen weg – wobei die Gefahr nicht nur aus der eigenen Branche käme. Die größte Währung der Welt sei z.B. nicht der US-Dollar, auch nicht der Euro, sondern Flugmeilen. ‚Banking verschwindet, was bleibt ist Beratung.‘, sagt Frank, aber das müsse man dann auch wirklich drauf haben. Die Banken setzten aktuell viel auf das Thema Vertrauen, das sei aber in Zeiten von Blockchain künftig kaum noch nötig, weil in Code gegossen.

Code Rouge #3 - Frank Sonder

Code Rouge #3 – Frank Sonder (Quelle: Tobias Baumgarten)

Der Vorteil der Banken ist, dass sie einfach schon da sind

Für die Zukunft der Banken hat er zwei Lösungen parat. Zum einen könnten die Banken ihre Erfahrungen aus dem Handel mit Finanzkapital nutzen und damit künftig einen Handel mit ‚Sozialkapital‘ organisieren. Denn die Banken kennen ihre Kunden und könnten hier mit der Vermittlung einen Nutzen stiften. Und zum anderen besitzen Banken eine Fülle von Daten über ihre Kunden. Die Banken könnten sich als Schützer dieser Daten anbieten und – im Auftrag der Kunden – versuchen, mit diesen Daten Geld für den Kunden zu verdienen. Bisher würden Unternehmen wie Facebook oder Google diese Daten kostenlos nutzen und damit Geld für sich verdienen. Warum sollte die Bank nicht dem Kunden helfen, seine Daten selbst zu Geld zu machen?

Warum das ausgerechnet die Banken organisieren sollten und nicht irgendwelche Startups? Einfach, weil sie schon da sind. Die Filialen und das Personal seien vor Ort und gut geschult, das sei ein Asset der Banken, dass sie nutzen müssten. Überhaupt sieht er in den Filialen das einzige Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb. Auf die Frage, was der Berater der Zukunft denn können müsse, hat er eine einfache Antwort: Beraten! Bisher seien sie aber auf Verkauf getrimmt – und das kommt nicht gut an. Für eine echte Beratung wäre er sogar bereit, Geld zu bezahlen.

Spannend war seine Antwort auf die Frage, welche Fintechs ihn überzeugen würden. N26 beeindrucke ihn, weil sie schon so viel durchgemacht haben. Ansonsten sei es bisher viel Lärm und wenig. So offen und ehrlich er den Banken den Spiegel vorgehalten hatte, so schonungslos ist er also auch mit den Newcomern der Branche.

ZINSLAND.de als Alternative zu Geschlossenen Fonds

Nach der Getränkepause ging es weiter mit Carl ‚Fritze‘ von Stechow, dem Geschäftsführer von ZINSLAND.de. Das Thema Crowdinvesting wachse in Deutschland weiter, allerdings eher verhalten und weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Bei genauerer Betrachtung sehe man aber eine starke Verschiebung innerhalb der Branche, weg von der Startup-Finanzierung hin zu Immobilieninvestments. Und genau in dieser gut wachsenden Nische ist ZINSLAND sehr erfolgreich unterwegs. Immerhin 11 Projekte wurden bislang finanziert.

Dabei hat sicherlich auch das Timing eine Rolle gespielt. ZINSLAND ging nämlich in einer Zeit an den Start, in der die geschlossenen Immobilienfonds im Niedergang waren. Unter dem Motto ‚Altes neu denken‘ stellt das eigene Angebot eine gute Alternative für die Anleger dar. Die Transparenz auf der Plattform sei höher, die Laufzeiten mit 12 – 24 Monaten überschaubar und gleichzeitig die Renditen attraktiv. Wer wolle sein Geld heute schon noch für 10 Jahre anlegen und anderen anvertrauen?

Code Rouge #3 - Fritze Stechow

Code Rouge #3 – Fritze Stechow (Quelle: Tobias Baumgarten)

Kooperation mit Banken ist die Zukunft

Die Banken seien mittlerweile übrigens deutlich aufgeschlossener für Kooperationen, in denen er auch die Zukunft  sieht. Schließlich seien sie ja nicht dumm, die Banken, nur halt verdammt langsam. Die Kooperationen würden auch den Fintechs helfen, die Lücke zu den USA zu schließen. Das Crowdinvestingvolumen in Deutschland liege nur knapp über 20 Mio. Euro, während es in den USA ein Vielfaches betrage.

Das eigene Angebot sei übrigens alles andere als unreguliert. Zwar gebe es anders als bei Geschlossenen Fonds keine Prospektpflicht, allerdings nur in engen Grenzen des Kleinanlegerschutzgesetzes. So darf ein Anleger nicht mehr als 10.000 Euro in ein Projekt stecken und das Projekt selbst nicht größer als 2,5 Mio. Euro sein. Dafür gebe es aber ein Produktinformationsblatt für den Anleger. Bei größeren Projekten wäre dann ein Prospekt nötig, was aber Kosten um die 40.000 Euro mit sich brächte und sich daher nur bei sehr großen Projekten lohne.

Großes Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb sei insbesondere der Fakt, dass man das Vermittlungsgeschäft für Projektfinanzierungen in Immobilien schon vorher offline betrieben habe, wodurch eine hohe Expertise in diesem Gebiet bestünde. Es würden zudem nur Projektentwickler aufgenommen, die echtes Eigenkapital in das Projekt einbringen.

Wie Clas Beese in Hamburg gründete

Als letzter Redner des Abends war dann Clas Beese am Start. Der Gründer des finletter teilte mit dem Publikum seine Erfahrungen aus der letztlich gescheiterten Gründung des Crowdlending-Portals Finmar. Nachdem er nach dem Studium in der Gründungsberatung unterwegs war, habe der USA-Aufenthalt seines Freundes die Inspiration gegeben. Fintechs wie LendingClub oder Prosper boten dort bereits dieses neuartige Geschäftsmodell des Peer-to-Peer-Lendings an. Das wäre doch auch was für die Startup-Finanzierung in Deutschland.

Die Gründung gestaltete sich allerdings als schwierig. Er habe die nötigen Softwareprozesse damals ganz klar unterschätzt, gesteht Clas freimütig ein. Zudem fehlte es an einer Banklizenz – und die ist nötig, wenn man Kredit vergeben will. Auf der Suche nach einem Bankpartner sei man in Hamburg abgeblitzt, weil die Banken in der Zeit nach ‚Lehman‘ zu große Angst vor Reputationsschäden hatten. So sei man dann in München bei der Fidor Bank gelandet.

Allerdings ändern sich alte Gewohnheiten in der Praxis nicht so schnell. In der Musikbranche stammten auch in 2015 noch 68% aller Umsätze aus CD-Verkäufen, obwohl Streaming längst im Alltag angekommen war. Und in der Unternehmensfinanzierung war es nicht anders: obwohl nach einer Umfrage 50% der Unternehmen Crowdlending nutzen wollten, hat es nachher in der Praxis kaum jemand getan. Und die eingeplante Marge der Projekte sei vollständig für das Keyword-Advertising bei Google drauf gegangen. Am Ende war Google der einzige, der daran verdient habe. Deshalb dann Ende 2015 das Aus.

Code Rouge #3 Clas Beese

Code Rouge #3 – Clas Beese (Quelle: Tobias Baumgarten)

Und warum Hamburg für Fintechs unattraktiv ist

Und wie sieht Clas die Zukunft Hamburgs als Fintech-Standort? Dazu beleuchtet er zunächst einmal die Stärken der vier großen Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt, München und Hamburg. Während Berlin von seiner Internationalität profitiert und eine sehr lebendige Startup-Szene in den Ring wirft, punktet Frankfurt mit den vielen Banken als möglichen Partnern sowie der Nähe zur BaFin und der EZB. München dagegen ist ein starker Versicherungsstandort an dem viel Geld für Investitionen in die Szene bereit steht. Und Hamburg?

Hamburg ist seiner Meinung nach schön zum Leben. Das reiche aber nicht aus, um neue Fintechs anzuziehen. Die 24 – teilweise sehr erfolgreichen – Fintechs, die aktuell in Hamburg ansässig sind, seinen nicht hier, weil der Standort so gut ist. Sie seien vielmehr nur deshalb hier, weil sie von Menschen gegründet wurden, die aus der Region stammen. Deshalb brauche es eine aktive Standort- und Wirtschaftspolitik, die junge Startups anspreche und ihnen Plattformen und Förderung zur Verfügung stellt.

Er selbst geht da mit gutem Beispiel voran: nach dem Finmar-Aus hat er sich zusammen mit Carolin Neumann mit dem finletter erneut in die Selbständigkeit gestürzt. Mit diesem kuratierten Newsletter versorgt er Fintech-Interessierte mit aktuellen News und Veranstaltungstipps und schafft damit eine breitere Öffentlichkeit für Startups. Zudem organisiert er im Oktober die erste Fintech Week in Hamburg.

Raum und Zeit für Networking

Im Anschluss an die drei Vorträge gab es viel Zeit und Raum für’s Netzwerken, Kennenlernen und Small Talk, wovon auch zahlreich und ausdauernd Gebrauch gemacht wurde.

Insgesamt war es erneut eine gelungene Veranstaltung der jungen Code Rouge Vortragsreihe, deren nächste Auflage übrigens am 27.10.2016 stattfindet. Wer mit dabei sein will, kann sich hier anmelden.

Wart Ihr auch mit dabei? Postet Eure Eindrücke von Code Rouge #3? Postet als Kommentar unter diesen Beitrag.

Posted in Fintech Events and tagged , , , , , , , .

Digitaler Banker | Blogger | Fintech – Experte. Ihr erreicht mich per Mail: tobias(at)aboutfintech.de oder auf Twitter: @aboutfintech

One Comment

  1. Pingback: Fintech News #39 - about#Fintech

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.