Fintech-Event: Meetup FinTech Hamburg #6

Es gibt im Leben viele Veranstaltungen bei denen man sich hinterher ärgert, dass man den Abend nicht lieber zu Hause auf dem Sofa verbracht hat. Zu dieser Kategorie gehören Veranstaltungen der Meetup-Reihe definitiv nicht! Am 23.03.2016 fand nun schon die 6. Auflage des – dieses Mal von figo organisierten – Meetup FinTech Hamburg statt. Meine Eindrücke von der Veranstaltung könnt Ihr hier nachlesen.

Geladen wurde in die neuen Räumlichkeiten von figo in der Gaußstraße in Hamburg (die alten Büros im betahaus sind mittlerweile zu klein geworden). Und der viele Platz dort wurde auch dringend benötigt, denn knapp 60 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt.

Die Agenda stand dieses Mal ganz im Zeichen comdirect Start-up Garage, die sich und zwei ihrer Start-ups vorstellen durfte:

Die Start-up Garage macht den Anfang

Den Auftakt machte Mariusz C. Bodek, Gründer der Start-up Garage der comdirect. Er startete mit einem Kompliment an die Hamburger Fintech-Szene: bei all der Diskussion darum, ob Deutschland ein Fintech-Hub brauche und ob das eher in Frankfurt oder Berlin wäre, brauche sich Hamburg nicht verstecken – das zeige schon die rege Beteiligung an diesem Event.

Aber natürlich nutze er seine Zeit auch, um einen kurzen Überblick über die Start-up Garage zu geben. Das ganze Paket, das Gründer dort bekommen, hat einen Gegenwert von ca. 50.000 Euro, wobei die direkte finanzielle Förderung mit 10.000 Euro eher einen kleinen Teil davon ausmacht. Mindestens ebenso wertvoll sind der co-working-space im betahaus sowie technische und infrastrukturelle Ausstattung.

Als wesentliche Assets stellte er aber den Austausch zwischen Bankern und den anderen Gründern untereinander sowie den Zugang zu etwa 3 Millionen online-affinen Kunden der comdirect heraus. Das gilt selbstverständlich ebenso andersherum für die comdirect, die vom frischen Blut und dem mindset der Start-ups profitierenkann.

Anders als andere Start-up-Partner erhält die Start-up Garage übrigens kein Equity an den geförderten Start-ups. Bodek empfände das auch als unfair den Gründern gegenüber, wenn sie in einer Frühphase für ca. 25.000 Euro 5 – 10% an ihrem Unternehmen abgeben müssten. Das würde den Gründern nämlich auch in späteren Finanzierungsrunden die Verhandlungsposition schwächen. Die comdirect gibt sich nach seinen Aussage damit zufrieden, dass sie frühzeitig Zugang zu interessanten neuen Angeboten für ihre eigenen Kunden kommen kann.

anyfolio will Anleger in Aktien-Baskets investieren lassen

Der nächste Part gehörte dann Frank-Steven Eichholtz von anyfolio, einem Fintech, das Privatanleger bei der Geldanlage in Aktien unterstützen will – passend also für einen Online-Broker wie die condirect.

Eichholtz präsentierte sich als Serientäter in Sachen Gründung: in seinen Anfängen machte er sich im Import und eBay-Powerselling von Speichersticks selbständig um sich dann nach weiteren Gründungsvorhaben den Samwer-Brüdern bei Rocket Internet anzuschließen. Nach fast drei Jahren dort, entschloss er sich nun, doch noch mal etwas Eigenes zu starten – und das tut er nun mit anyfolio.

Eichholtz zufolge gibt es im Moment in der Fintech-Szene in Sachen Geldanlage zwei große Trends: “Robo Adviser” wie z.B. Wealthfront oder nutmeg, die seiner Meinung nach eine totale black box für den Anleger sind, und “Social Investing” wie wikifolio, das er ketzerisch als “Guru Magic” bezeichnet. Anyfolio setzt dagegen einen neuen Schwerpunkt: bei ihm kann der Anleger in Aktien-Baskets investieren, die nach Themen aufgebaut sind.

Zu Beginn wird anyfolio eine breit gefächerte Auswahl von 20 bis 30 Themen-Baskets zur Verfügung stellen. Später – so die Vorstellung des Gründers – sollen erfahrene Anleger die Möglichkeit haben, selbst Baskets zu erstellen und sie den anderen Anlegern zur Verfügung stellen. Die Anlage erfolgt dabei ausschließlich in Aktien, die Eichholtz als “ehrliches Anlageprodukt” anpreist. Andere Anlageklassen wie Renten oder Rohstoffe sollen nicht im Angebot sein. Eine Risikodiversifizierung erfolgt ausschließlich über die thematische Themenstreuung. Die Baskets von anyfolio sieht er dabei als “fully customized ETFs”.

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Die Monetarisierung soll rein transaktionskostenbasiert sein – versteckte Kickbacks soll es nicht geben. Auf konkrete Nachfrage konnte – oder wollte – er nicht weiter ins Detail gehen. Den kritischen Einwand aus dem Publikum, dass Geldanlage in Baskets eher mittel- bis langfristig ausgelegt ist, was einer transaktionsbasierten Monetarisierung entgegen steht, vermochte er nicht gänzlich zu entkräften.

Auch insgesamt merkte man, dass anyfolio noch in einer absoluten Frühphase steckt. Der Fokus liegt aktuell noch komplett auf dem MVP und die anvisierte Zielgruppe wurde auch nicht konkret benannt. In Sachen Regulatorik wird mittelfristig eine Finanzdienstleister-Lizenz angestrebt, aber definitiv keine Vollbanklizenz. Als eine Herausforderung sieht Eichholtz für anyfolio den Spagat zwischen transparenter ‘guidance’ für die Anleger einerseits und echter Beratung (die um jeden Preis vermieden werden soll) andererseits.

Insgesamt machen die Ideen durchaus neugierig, es wurde aber auch deutlich, dass noch eine ganze Menge Detailfragen zu klären sind, bis anyfolio erfolgreich live gehen kann.

neontrading will Investment einfach machen

Den Abschluss des offiziellen Teils machte Thomas Pischke von neontrading. Der nicht ganz unambitionierte Selbstanspruch des Fintechs lautet: “Wir wollen Europas führender mobiler Broker werden.”. Dass man damit dem eigenen Förderer comdirect ins Gehege kommt, glaubt der CEO nicht und untermalt diese These mit einer Folie, laut der 95% der 14 – 30-Jährigen bisher noch gar nicht am Kapitalmarkt investieren – was insbesondere für die 14 – 18-Jährigen Minderjährigen nicht überrascht.

Robo Adviser sieht neontrading nicht als den richtigen Weg, um daran etwas zu ändern. Schließlich nehmen diese dem Anleger alles ab und er verbleibt mangels Wissen über den Kapitalmarkt weiterhin unmündig. neontrading dagegen will versuchen, dieses Wissen zu vermitteln, u.a. durch einen Trainer innerhalb der App und Wissensvermittlung im eigenen Blog. Außerdem wollen sie die Komplexität aus dem Ordervorgang zu nehmen, z.B. mit Schiebereglern statt komplexer Ordermasken. Die Demobilder aus der App sahen denn auch ganz vielversprechend aus.

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In Sachen On-Boarding will sich neontrading das erfolgreiche Number26 zum Vorbild nehmen und den gesamten Prozess mobile abbilden – Video-Legitimation eingeschlossen. Kritische Stimmen aus dem Publikum merkten hier allerdings an, dass das angesichts der im Wertpapiergeschäft zu erstellenden Risikoprofile nicht ganz trivial sein dürfte. Richtig ist allerdings auch, dass die Lösung dieses Problems wohl eher von einem Fintech als von den traditionellen Banken kommen dürfte – beim Girokonto bedurfte es dafür ja auch IDNow.

Die Differenzierung zu ähnlichen Angeboten z.B. von Finanzen.net soll in der Einfachheit und Übersichtlichkeit liegen. Die Zielgruppe von neontrading sind junge Leute unter 30. Auch wenn diese heute noch nicht so viel Geld besitzen, so wären sie doch eine interessante Zielgruppe, wenn diese neontrading langfristig treu blieben. Investiert werden soll in Aktien und ETFs – und wohl auch in Zertifikate.

Der Launch von neontrading ist am 25. April mit einem Börsenspiel geplant. Wer teilnehmen möchte, kann sich hier anmelden.

Danach war Zeit zum Networken

Im Anschluss an die drei Vorträge gab es viel Zeit und Raum für’s Netzwerken, Kennenlernen und Small Talk, wovon auch zahlreich und ausdauernd Gebrauch gemacht wurde. Dafür sorgten auch die freundlicherweise von der comdirect gesponsorten Getränke.

Insgesamt war es eine sehr gelungene Meetup-Veranstaltung, zu der es hoffentlich bald eine Fortsetzung gibt.

Wart Ihr auch dabei? Schildert Eure Eindrücke gern als Kommentar.

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