Fintech-Event: 12min. Meetup – Code Rouge #1

Wer sich regelmäßig auf Veranstaltungen und Tagungen (nicht nur) rund um die Themen Startups und Fintechs bewegt, kennt es vermutlich: viele Speaker (oftmals die Gründer) sind so verliebt in „ihr Baby“, dass sie Raum und Zeit vergessen und in langen Vorträgen wenig aussagen. Die Meetup-Veranstaltungsreihen von 12min sind da anders: jeder Redner hat exakt 12 Minuten Zeit – und wird dann gnadenlos von der Hupe gestoppt. Am 28.01.2016 fand die erste Auflage des in Kooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) organisierten Meetups Code Rouge statt. Meine  Eindrücke von der Veranstaltung könnt Ihr hier nachlesen.

Code Rouge wird gut angenommen

Geladen wurde in die Vorstandsräumlichkeiten der Haspa an der Ecke Adolphsplatz/Gr. Burstah im Herzen Hamburgs nahe Rathausplatz und Handelskammer. Die Veranstaltung war ursprünglich für 80 Teilnehmer geplant, wurde aber aufgrund der hohen Nachfrage kurzfristig noch auf 100 Personen ausgeweitet. Am Ende blieben dann doch ein paar Stühle leer, aber 80 bis 90 Teilnehmer dürften es am Ende doch gewesen sein. Und wenn man den Handzeichen glauben schenken darf, waren diese  zu ca. 40% von Fintechs, weitere 30 – 40 % von Banken und der Rest bunt gemischt.

Geladen als Speaker waren:

  • Irene Pitter von KPMG: „FinTech – The end of the beginning”
  • Lennard Boerner von Kreditech: FinTech evolution: Strategic measures to offer sustainable lending solutions“
  • Dr. Tim Sievers von Zinspilot/Deposit Solutions: „FinTech – New Financial Economy or just Lipstick on the Pig?“

Der Ablauf war immer wie folgt: ein Redner bekommt exakt 12 Minuten Zeit für den Vortrag, im Anschluss gibt es exakt 12 Minuten für Fragen und Antworten und zwischen den Vorträgen 12 Minuten Pause – der Name  der Reihe ist also Programm.

Irene Pitter sieht Chancen in Kooperationen

Los ging die Runde mit Irene Pitter, die über die allgemeinen Entwicklungen der Branche referierte. Dabei bescheinigte Sie u.a. den Banken, dass sie im Grunde auch allesamt Technologieunternehmen sind, darin aber einfach nur schlecht sein. Dieser Feststellung mochte man nicht widersprechen.

Aber auch für die Fintechs sah sie kritische Punkte. So dürfte es ihrer Ansicht nach insbesondere für die disruptiven Fintechs schwierig sein, sich zu etablieren. Es gebe einfach zu viele von ihnen und die meisten seien der breiten Masse an Kunden völlig unbekannt. Zudem könnten sie mit einer schlanken Kostenbasis zwar günstige Preise bieten, allerdings würden mit dem schnellen Wachstum auch Komplexität und Kosten steigen. Dem harten Wettbewerb auch untereinander könnten viele Fintechs zum Opfer fallen. Nach ihrer Erkenntnis gäbe es ca. 2.000 P2P-Marktplätze in Europa. Da könne nicht mehr jeder innovativ sein und es stelle sich die Frage, wo diese alle ihren Platz finden wollten.

Deutlich besser sah sie die Chancen in Kooperationen zwischen Banken und Fintechs. Hiervon würden insbesondere Enabler wie z.B. figo mit seinen APIs profitieren.

Kreditech erkennt Drogennutzer an Mouse-Bewegungen

Weiter ging es mit Lennart Boerner von Kreditech aus Hamburg. Diese hatte offensichtlich vorher einen Kurs im Schnellsprechen genommen und war kaum zu bremsen. Das war allerdings auch gut so, denn er hatte viel zu erzählen von der aktuellen Entwicklung seines Unternehmens. Dabei gab er auch interessante Details aus dem Maschinenraum preis – so z.B., dass die Marge von Kreditech aktuell in etwa bei Null liege. Oder dass Kreditech z.B. anhand der Bewegungen der Mouse erkennen könne, ob ein Nutzer Drogen konsumiere.

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Als neues strategisches Geschäftsfeld wird Kreditech bald im eCommerce als Payment-Anbieter neben Kreditkarte und PayPal an den Start gehen – mit Kreditech Credit. Damit kann der Kunde im Checkout-Prozess einen Konsumentenkredit von Kreditech bekommen. Der Kunde profitiert von einer einfachen Finanzierungsfunktion, der Händler von potentiell größeren Warenkörben und Kreditech von mehr Geschäft. Im Checkout wird der Kunde zwecks Background-Scoring dabei wieder über eine angepasste Website von Kreditech gelenkt.

Die Refinanzierung des Kreditbuchs von Kreditech läuft übrigens über ein Vehikel in Luxemburg, an das Fonds aus den USA angedockt sind. Bei Zahlungsschwierigkeiten der Endkunden wird stark auf automatisierte und digitalisierte Prozesse gesetzt. Säumige Schuldner erhalten z.B. Anrufe von Robotern. Anhand der vom Kunden gewonnenen Daten wird zudem geschaut, ob er vielleicht gerade im Urlaub ist und die Zahlung deshalb vergessen hat. Hilft das alles nichts, werden die Forderungen an lokale Aufkäufer verkauft. Zitat Boerner: „Moskau-Inkasso kommt bei uns nicht.“.

Eine Banklizenz strebe Kreditech übrigens nicht an.

Deposit Solutions will Banken Mehrwert bieten

Als letzter Redner des Abends war dann Dr. Tim Sievers von Deposit Solutions an der Reihe. Er berichtete im Wesentlichen vom B2B-Ableger seiner Gruppe, der Comonea. Im Einlagengeschäft hätten die Anleger derzeit nur die Wahl zwischen Not und  Elend. Insbesondere Sparkassen und Volksbanken schwimmen in mehr Liquidität, als sie eigentlich gebrauchen können. Wegen der Strafzinsen der EZB können sie ihren Kunden aber keine nennenswerte Verzinsung dafür bieten.

Der Ausweg: Banken können ihren Kunden über die B2B-Services von Comonea Einlagenangebote anderer Banken an ihre Kunden vermitteln, ohne dabei die Herrschaft über die Kundenbeziehung zu verlieren. Als Gegenseite würden hier gerade nicht Banken wir die ING DiBa fungieren, sondern eher wenig sichtbare Institute, die gar nicht auf die Privatkundenbeziehung aus seien, sondern nur auf das Funding. Beispiele wären hier z.B. die Autobanken oder Spezialbanken für die von Grenkeleasing.

Die Sparkassen und Volksbanken könnten somit überschüssige Liquidität umlenken, ihren Kunden bessere Zinsen bieten und dafür eine Vermittlungsprovision einstreichen, die Gegenparteien sich wiederum Liquidität sichern, ohne dafür eine Vielzahl von defizitären Privatkundenbeziehungen pflegen. Eine klasse Sache also für beiden Seiten – und für Comonea, die für die Vermittlung eines kleine Marge erhält.

Biete eine Bank das Angebot von Comonea nicht, könnten die Kunden einfach Zinspilot.de aus dem Hause von Deposit Solutions nutzen. Deren durchschnittlicher Kunde sei übrigens männlich und über 60 Jahre alt – der klassische Silver Surfer also. Insofern sei es nicht überraschen, dass der Offline-Produktabschluss bei Zinspilot.de deutlich häufiger genutzt werden, als der Online-Abschluss.

Nettes Bonmot zwischendurch war übrigens der Hinweis darauf, dass über 90% der Fintechs weniger Umsatz machen, als eine mittelmäßige Haspa-Filiale.

Gelungener Auftakt für Code Rouge

Im Anschluss an die drei Vorträge gab es viel Zeit und Raum für’s Netzwerken, Kennenlernen und Small Talk, wovon auch zahlreich und ausdauernd Gebrauch gemacht wurde.

Insgesamt war es ein sehr gelungener Auftakt zu einer vielversprechenden Vortragsreihe, die nun immer vierteljährlich stattfinden soll. Die nächste Ausgabe von Code Rouge findet übrigens am 28. April 2016 statt – wer mit dabei sein will, kann sich hier anmelden.

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