Fintech-Event: 12min. Meetup – Code Rouge #2

Die Meetup-Veranstaltungsreihen von 12min sind nichts für langatmige Redner: denn hier hat jeder Redner nur exakt 12 Minuten Zeit – und wird dann gnadenlos von der Hupe gestoppt. Die perfekte Bühne für junge Startups, um sich einem interessierten Fachpublikum zu stellen.

Am 28.04.2016 fand die zweite Auflage des in Kooperation mit der Hamburger Sparkasse (Haspa) organisierten Meetups Code Rouge statt. Meine  Eindrücke von der Veranstaltung könnt Ihr hier nachlesen.

Neuer Veranstaltungsort sorgt für Verwirrung

Nachdem die Auftaktveranstaltung noch in den Vorstandsräumen der Haspa am Adolphsplatz im Herzen Hamburg nahe Rathausplatz und Handelskammer stattfand, wurde für die zweite Auflage von Code Rouge in das Firmenkunden-Center Süd am Veritaskai im Harburger Binnenhafen geladen. Die Räumlichkeiten im 11. Stock boten auf jeden Fall einen beeindruckenden Blick über Wilhelmsburg bis hin zum Hafen und der Elbphilharmonie. Leider hatten nicht alle angemeldeten Teilnehmer den neuen Veranstaltungsort realisiert und so standen sie vereinzelt verwundert am Adolphsplatz.

Die für viele schwierigere Anreise zur Veranstaltung war denn auch ein öfters verlautbarter Kritikpunkt. Laut Mitorganisator Sebastian Ritt ließ sich das allerdings nicht vermeiden, da der Haspa-Vorstand seine eigenen Räume in der City dieses Mal selbst brauchte. Die Folgeveranstaltungen sollen aber wohl wieder am gewohnten zentralen Ort stattfinden.

Wie auch schon beim letzten Mal war das Meetup komplett ausverkauft und die Warteliste war gut gefüllt. Und so war am Ende war kein Stuhl mehr frei, obwohl einige Teilnehmer kurz vor Start noch abgesagt hatten.

Geladen als Speaker waren:

Der Ablauf war immer wie folgt: ein Redner bekommt exakt 12 Minuten Zeit für den Vortrag, im Anschluss gibt es exakt 12 Minuten für Fragen und Antworten und zwischen den Vorträgen 12 Minuten Pause – der Name  der Reihe ist also Programm.

Google stellt den Kunden in den Fokus

Los ging es mit Dr. Alexander Ellert, der bei Google Deutschland als Industry Manager für die Versicherungsbranche zuständig ist. Überraschenderweise – für ein Meetup mit Schwerpunkt Fintech – referierte er nicht über ein Fintech-Thema, sondern stellte Arbeits- und Denkweisen von Google vor.

Entscheidender Erfolgsfaktor sei für Google der “Fokus auf den Nutzer, alles andere kommt von selbst.” Bei allen Aktivitäten schaue der Suchmaschinen-Riese immer, was der Nutzer haben wolle und was ihm Spaß mache. Bei dieser Bewertung geht es aber nicht nach Bauchgefühl, stattdessen ist “Data beats opinion” das Leitmotiv. Nicht weiter verwunderlich für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell die vielfältige Auswertung und Aufbereitung von Daten ist.

Weiter setzt Google bei der Suche nach neuen Geschäftsideen auf “10x thinking”. Diese Methode geht davon aus, dass es einfacher ist, eine Geschäftsidee zu finden, die deinen Erfolg verzehnfacht, als Deinen Erfolg um 10% zu steigern. Voraussetzung dafür, dass das funktioniert sind drei Faktoren: es bedarf eines großen ungelösten Problems, einer radikalen Lösung und eines technologischen Durchbruchs.

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Alexander Ellert erklärt das Prinzip am Beispiel des autonom fahrenden Autos. Wenn menschliche Fahrer jedes Jahr durch von ihnen verursachte Unfälle für tausende Todesfälle sorgen (großes ungelöstes Problem), dann lass uns den Fahrer doch einfach “raus nehmen” (radikale Lösung). Das alles ist nur möglich, weil es in den letzten Jahren verschiedene technologische Durchbrüche gab.

Zuletzt wies er darauf hin, dass Innovation vor Perfektion kommt. Es ist sinnvoll, eine neue Idee erstmal einfach auszuprobieren und zu schauen, wie es beim Nutzer ankommt. Falls ja, kann man es dann immer noch verbessern. Falls nicht, scheitert man wenigstens schnell und kann die learnings gleich nutzen. Wichtig ist es, sein Wissen mit den Kollegen zu teilen: “Teile alles, was du kannst.” So gab es eine Zeit lang z.B. einen Piguin-Award für die Idee, die am grandiosesten gescheitert ist. Aus Fehlern lernen.

In der anschließenden Frage-Runde kam u.a. die Frage, welche Daten Google alles an Versicherungen weiter geben würde. Laut Ellert unterscheidet Google nicht nach Branchen, sondern stellt allen Kunden dieselben Daten zur Verfügung. Dabei werden aber nicht persönliche Daten aus den Suchanfragen weiter gegeben, sondern “nur” soziodemographische Daten, die den Werbekunden dabei helfen, Streuverluste in der Werbung zu verringern.

Finanzcheck.de vermittelt Kredite an Banken

Nach der Getränkepause ging es weiter mit Andreas Kupke, dem COO von Finanzcheck.de. Das erfolgreiche Kredit-Vermittlungsportal hat in den letzten drei Jahren ein beeindruckendes, exponentielles Wachstum an den Tag gelegt (CAGR 175%) und von 2012 bis 2015 mehr als 1,3 Mrd. Euro an Krediten vermittelt.

Wichtigstes Erfolgskriterium ist dabei, dass Finanzcheck.de mit einer eigenen Master-Scoringengine die Kunden bereits vor Weiterleitung der Kundendaten an die teilnehmenden Banken vorselektiert und entsprechend nur die Banken und Kreditangebote anzeigt, die erfahrungsgemäß erfolgversprechend erscheinen. Damit wissen Kunden sofort, mit welchen Konditionen sie rechnen können und die Banken bekommen nur noch solche Kunden angeboten, die sie tatsächlich auch haben wollen. Für die Banken bedeutet das, dass sie teure SCHUFA-Anfragen nur noch bei erfolgversprechenden Antragstellern losschicken müssen – sie sparen also bares Geld und haben eine hohe Conversion Rate.

Zudem ist Finanzcheck.de direkt an die Scoringengines der Banken angebunden, so dass die Anfragen allesamt effizient automatisiert ablaufen. Für Banken, die hier technisch noch nicht so weit sind, bietet das Portal als Nebenleistung sogar an, diese Schnittstellen zu bauen. Die konkreten Scorecards der Banken kennt Finanzcheck.de übrigens nicht, die sind weiterhin Betriebsgeheimnis. Kupke sagt aber auch: “Wenn man 1.000 Kredite an die Postbank vermittelt hat, dann weiß man irgendwann, was geht und was nicht.”

Die durchschnittliche Kreditsumme beträgt aussagegemäß um die 15.000 Euro, wobei die Obergrenze für einen normalen Ratenkredit bei 75.000 Euro liegt. Bei besicherten Krediten sind allerdings auch 200.000 Euro möglich. Die Ausweitung der Vermittlung auch auf andere Produkte plane Finanzcheck.de aktuell nicht, man will sich auf das konzentrieren, worin man gut ist. Der Anspruch ist es, größter Kreditvermittler in Deutschland zu werden.

Gini will die Menschen vom Papierkram befreien

Als letzte Rednerin des Abends war dann Astrid Demlehner von gini am Start. Die sehr sympathische Vision des Münchner Startups ist es, die Menschheit vom Papierkram zu befreien. Dazu bietet gini eine Software die in der Lage ist, unstrukturierte Dokumente zu erfassen und nach Daten zu durchsuchen.

Bekannt ist die Software der breiten Öffentlichkeit durch die Einbindung in Banking-Apps für die Fotoüberweisung. Sie durchsucht fotografierte Rechnungen nach Bankverbindung und Verwendungszweck, so dass das lästige und fehleranfällige Abtippen von IBAN & Co. entfällt. Und weil der Umgang mit der Rechnung dadurch so viel bequemer wird, schiebt man das nicht so lange vor sich her – so zumindest die Hoffnung.

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1&1 DSL

Und weil noch längst nicht alle Kunden in der mobilen Welt angekommen sind, gibt es das ganze übrigens auch für das Onlinebanking. Hier können dann z.B. Rechnungen im PDF-Format per drag & drop auf Bezahldaten hin ausgewertet werden.

Für die Integration der eigenen Software ins Banking schwebt gini eine Verschmelzung des Bankings mit der Dokumentenwelt vor. Das Online/Mobile Banking wird zum einer Plattform und die Dokumente werden eingebunden. So wird z.B. die Stromrechnung an den entsprechenden Umsatz gehängt bzw. verknüpft, gleichzeitig bietet die Bank als Plattform eine Verknüpfung zu einem Vergleichsportal, um einen besseren Stromtarif zu finden. Oder bietet für einen Technikkauf auf Amazon den Link zu einem Angebot für eine Technikversicherung.

Die Banken sollten also zu einem offenen Ökosystem werden. Das werden API-Anbieter wie figo sicherlich gern hören – nur braucht es dazu als erstes ein neues Mindset in den Chefetagen der Banken und insbesondere den Mut, die vielen Metadaten auf denen die Banken sitzen, im Einverständnis mit dem Kunden zu seinem Mehrwert zu nutzen.

Auf Nachfrage betont Astrid Demlehner, dass gini aktuell nicht plane, die Software im B2C-Verkehr für alle Privatkunden anzubieten. Dann wäre gini eine weitere Plattform, die in einer zusätzlichen Layer oberhalb der Bankenplattformen aufsetzen würde – und hierin sieht sie keinen Mehrwert für den Kunden.

Das nächste Coge Rouge wieder in der City

Im Anschluss an die drei Vorträge gab es viel Zeit und Raum für’s Netzwerken, Kennenlernen und Small Talk, wovon auch zahlreich und ausdauernd Gebrauch gemacht wurde.

Insgesamt war es eine  gelungene Fortsetzung der jungen Code Rouge Vortragsreihe, deren nächste übrigens am 28. Juli 2016 stattfindet – dann allerdings wohl hoffentlich wieder in der City. Wer mit dabei sein will, kann sich hier anmelden.

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