Drei Smartphones zeigen Bilder der neuen Funktion in der Curve-App

Curve Credit will Klarna bei Ratenzahlungen herausfordern

Der Payment-Markt ist weltweit heiß umkämpft. Neben dem Platzhirsch PayPal kämpfen Einhorn-Fintechs wie Adyen und Klarna um Ihr Stück vom immer größer werdenden Kuchen. Dabei setzen sie auf eine breite Wertschöpfungskette, insbesondere auch auf einfache Ratenkredite für Retail-Kunden. Hier bekommen sie jetzt neue Konkurrenz durch Curve. Das britische Fintech hinter der gleichnamigen All-in-One-Kreditkarte will bald mit Curve Credit angreifen.

Irgendwie ist die Nachricht in all den großen Schlagzeilen des Sommers ein gutes Stück weit untergegangen. Zwischen Corona-Pandemie und dem historischen Drama um das gefallene deutsche Vorzeige-Fintech Wirecard fand die Nachricht kaum Aufmerksamkeit. Wichtiger war, dass Curve (hier im ausführlichen Test) von der Wirecard-Pleite direkt betroffen war und seinen Dienst einige Tage lang einstellen musste.

Dabei war es eine wichtige Ankündigung, die Curve Anfang Juni 2020 heraus in die Welt schickte. Das erfolgsverwöhnte Kreditkarten-Fintech von der britischen Insel wird seinen Kunden schon bald bequeme Ratenzahlungen anbieten. Damit erweitert Curve sein Ökosystem um ein wichtiges Feature, das Kunden ansonsten bei Klarna, PayPal oder ihrer Bank nutzen würden.

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Ratenzahlung per Go-Back-in-Time-Feature

Die neue Funktion werden Nutzer:innen einfach und komfortabel in der Curve-App abrufen können. Technisch wird dazu das Feature „Go Back in Time“ genutzt. Damit können Curve-Kund:innen bislang Buchungen nachträglich und rückwirkend einer anderen Abrechnungskreditkarte belasten. Künftig kann hier dann auch Curve Credit ausgewählt werden.

Der Prozess sieht dann folgendermaßen aus:

  1. Der/die Kund:in wählt im Checkout-Prozess oder am Point-of-Sale die Curve Card
  2. Der Rechnungsbetrag wird zunächst der aktuell gewählten Abrechnungskreditkarte belastet
  3. Erst danach wählt der/die Nutzer:in die „Go Back in Time“-Funktion und wählt die Ratenzahlung per Curve Credit

Das erscheint auf den ersten Blick umständlicher, als wenn man die Ratenfunktion direkt vor dem Bezahlvorgang auswählen würde. Allerdings ist der Prozess genau so von Curve gewollt. Das jedenfalls berichtet Paul Harrald, Head of Curve Credit, im November 2020 im Interview auf dem Curve-Blog. Hintergrund ist demnach, dass Verbraucher:innen die Entscheidung über einen Ratenkredit mit kühlem Kopf treffen sollen. Daher trennt Curve die Kreditentscheidung ganz bewusst vom Kaufprozess.

In der Testphase wird Curve die Kredite auf die eigene Bilanz nehmen und keinerlei Zinsen berechnen. Für die finale Umsetzung ist aber auch denkbar, dass sich Curve einen (oder mehrere) Bankpartner sucht und die Kredite gegen Provision vermittelt. Das würde sowohl die Kapitalbindung als auch das Risiko für Curve verringern.

Technische Umsetzung mit Thought Machine

Um Curve Credit erfolgreich umzusetzen, nutzt Curve die technische Plattform von Thought Machine. Das 2014 gegründete Technologieunternehmen bietet ein modernes cloud-basiertes Kernbanksystem namens Vault. Neben Curve nutzen auch andere britische Fintechs wie Atom oder Monese die Dienste von Thought Machine.

Curve Credit soll 2021 starten – Pilotierung läuft bereits

Der Marktstart von Curve Credit ist für dieses Jahr geplant – wobei das Anfang Januar natürlich noch ein sehr breites Zeitfenster ist. Derzeit läuft bereits die Pilotierung in der offenen Betatestphase für die Commercial-Kunden. Das Customer-Angebot dagegen wird aktuell nur intern mit Mitarbeitenden getestet. Allerdings ist nach Auskunft von Paul Harrald eine externe Pilotierung auch für Verbraucher im ersten Quartal 2021 geplant.

Der genaue Starttermin wird sicherlich auch von Gesprächen mit der britischen Finanzaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) abhängen. Die schaut nicht erst seit der Corona-Krise sehr kritisch auf die zunehmende Verschuldung der unteren Einkommensschichten. Daher wird der Test auch mit einem „Buy now, pay later“-Produkt erfolgen, das in UK unreguliert ist. Ein echtes Kreditprodukt wird erst nach einer FCA-Freigabe ausgerollt.

Curve plant nach eigenen Angaben den Lauch des Features für die USA im Laufe des ersten Halbjahrs 2021. Ob und wann das Feature auch für Kunden in der EU kommt, entscheidet sich voraussichtlich noch im ersten Quartal. Aktuell bewerte man noch

Berichten aus der Curve-Community zufolge ist allerdings bereits in einem begrenzten Umfang die Pilotierung mit einigen Kunden erfolgt. Wobei die traditionell zunächst in UK erfolgen dürfte. Gerade mit Blick auf den Brexit würde eine Pilotierung in UK und der EU die Komplexität nur unnötig erhöhen.

Fazit:
Das neue Feature erweitert das Ökosystem der Curve-App (hier im Test) um eine für Kund:innen sehr attraktive Funktion. Für das Fintech selbst bedeutet das Ratenzahlungs-Feature eine neue Quelle zur Monetarisierung des mittlerweile großen Kundenstamms.

Takeaway für Banken und Sparkassen:
Convenience ist Trumpf! Mit Curve Credit zeigt das nächste Fintech, wie einfach Ratenzahlungs-Features heutzutage sein können – und müssen. Wollen Banken und Sparkassen dieses margenträchtige Geschäft nicht nach und nach verlieren, werden sie ähnliche Funktionen in ihre Banking-Apps integrieren müssen.

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