Fintech News – Special – Noch nichts los bei GIROMATCH?

Heute haben alle Anleger von GIROMATCH (hier im Portrait) eine E-Mail erhalten. Darin wurden neue AGB angekündigt, die sich für Anleger soweit erst einmal ziemlich gut lesen: dabei geht es um die Verzinsung des Anlegerkapitals zwischen Abgabe des Kaufangebots und tatsächlicher Anlage im Deutschland-Portfolio. Die Begründung der Änderungen lässt allerdings aufhorchen.

Aus Anlegersicht positive Änderungen

Bisher war es so, dass der Anleger das Geld innerhalb von drei Tagen nach Abgabe des Kaufangebotes bei GIROMATCH eingezahlt haben musste. Dort lag das Geld solange, bis der Matching-Prozess abgeschlossen war, maximal aber 6 Wochen (= maximale Gültigkeitsdauer des Kaufangebotes). Und kam kein Matching zustande, wurde es nach diesen 6 Wochen wieder an den (verhinderten) Anleger zurück überwiesen. In dieser Zeit wurde das Kapital nicht verzinst – was ich in meinem Test ja auch kritisiert habe.

Dieser Prozess wird jetzt als Reaktion auf das Kundenfeedback angepasst: die maximale Gültigkeitsdauer des Kaufangebotes wird von 6 Wochen auf drei Monate glatt verdoppelt. Dafür muss der Anleger seine Einlage aber auch erst dann einzahlen, wenn er von GIROMATCH dazu aufgefordert wird. In der Zwischenzeit kann der Anleger sein Geld also anderweitig zinsbringend anlegen. Das ist soweit für die Anleger uneingeschränkt positiv, kann er doch sein Geld in der Zwischenzeit verzinst auf dem Tagesgeldkonto parken. Allerdings bleibt das Geld für diese Zeit auf Abruf und kann weiterhin nicht höherverzinst investiert werden.

Die Begründung lässt aufhorchen

Für den geneigten Fintech-Analysten ist allerdings die Begründung für diese Maßnahme viel interessanter:

„Wir legen vor allem im Interesse unserer Anleger großen Wert auf die Qualität der hinter dem Deutschlandportfolio stehenden Darlehensnehmer und auf die Diversifikation des Deutschlandportfolios. Da Giromatch eine junge Plattform ist, kann es durch die strenge Selektion zunächst etwas länger dauern, bis die passenden Darlehensnehmer für das diversifizierte Deutschlandportfolio gefunden sind.“

Das ist zunächst einfach mal sehr kundenorientiert. Zwischen den Zeilen steht da aber zu lesen: „Wir finden einfach nicht genügend (Kredit-)Kunden!“. Was diese These unterstreicht: selbst meine Anlage wurde bis heute (Stand 21.04.2016) noch nicht gematcht – und dass, obwohl ich Anleger des ersten Tages bin (Anmeldung und Abschluss am 18.04. / Eingang Überweisung am 21.03.).

Wenn selbst die ersten Anleger noch nicht gematcht werden konnten, scheint es mit der Kreditnachfrage bei GIROMATCH offenbar (noch) nicht so weit her zu sein. Vielleicht wird ihnen hier die grundsätzliche Positionierung zum Verhängnis: während die Konkurrenz – allen voran auxmoney – als Sammelbecken für schwache Bonitäten gut im Geschäft ist, selektiert GIROMATCH sehr stark vor, um das Ausfallrisiko für die Anleger gering zu halten. Diese guten Bonitäten werden aber auch von den Banken mit ihrer starken Wettbewerbsposition umgarnt.

Die Schlechten will GIROMATCH nicht haben, die Guten brauchen GIROMATCH nicht. So wird es für die Frankfurter ganz schwer – und sie wären nicht die erste Crowdlending-Plattform, die an mangelnder Nachfrage zu Grunde gehen. Ich drücke die Daumen, dass sie die Kurve noch kriegen.

Was sagt Ihr zu den neuen AGBs und wie seht Ihr GIROMATCH? Postet Eure Meinung als Kommentar unter diesem Artikel.

[Update vom 21.04.2016]:
Da der Artikel in seiner ursprünglichen Form teilweise unglücklich formuliert war, habe ich ihn ein wenig redaktionell überarbeitet. Als Kernbotschaften sollten rüber kommen: a) die Änderungen sind sehr kundenfreundlich und b) aus Analystensicht – nicht aus Kundensicht – mache ich mir ein wenig Sorgen um GIROMATCH.

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Digitaler Banker | Blogger | Fintech – Experte. Ihr erreicht mich per Mail: tobias(at)aboutfintech.de oder auf Twitter: @aboutfintech

3 Comments

  1. Hallo Tobias,

    danke für Dein Kommentar. Unterm Strich haben wir den Prozess für Anleger kundenfreundlicher gestaltet. Danke, dass Du das auch herausgestellt hast.

    Beste Grüße aus Frankfurt

    • Hallo Robin,

      die Änderungen sind definitiv sehr kundenfreundlich und beseitigen einen relevanten Kritikpunkt.

      Aber mindestens so interessant wie das ‚was‘ ist natürlich auch immer das ‚warum‘.

      Ich wünsche Euch, dass diese Regelung bald nicht mehr relevant ist und zur Anwendung kommen muss. Ich glaube allerdings schon, dass ihr auf der Kreditnehmer-Seite ein Problem habt. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr das gelöst bekommt!

      Beste Grüße, Tobias

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